Tradition und Revolution
Liebermann: Sie greifen die Opernhäuser an und meinen die Autoren. Die Tatsache, daß die Komponisten Ihrer Ansicht nach keine Werke geschrieben haben, die die Musik weiterbringen oder bedeutungsvoll sind, heißt doch nicht, daß deswegen die Opernhäuser in die Luft gesprengt werden müßten. Die Komponisten sollten dann eher dran glauben; denn die Opernhäuser können ja nur spielen, was produziert wird. Sie können nichts dafür, wenn das, was geschrieben wird, von Ihrem Standpunkt aus, wie Sie sich im «Spiegel»-Interview ja so anschaulich ausgedrückt haben, Scheiße ist.
Das ist aber nicht unser Problem. Unser Problem ist, soweit wir verantwortlich handeln, allen die Chance zu geben, sich auszuprobieren, sich zu kontrollieren, eigene Werke realisiert zu sehen. Wenn wir uns aber in die Luft sprengen lassen, dann haben wir auch die Chance vergeben, daß eines Tages der neue «Wozzeck» geschrieben wird, von dem Sie sprechen.
Boulez: Ich glaube also, Sie verwechseln das Produktionsproblem, das ein rein finanzielles und eines der Aufführung ist, mit dem der Komposition. Man muß sich darüber im klaren sein, daß das zwei verschiedene Dinge sind. Die Opernwelt ist vielleicht mit der Ballettwelt die ...
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Opernwelt Jahrbuch 2010
Rubrik: 50 Jahre «Opernwelt», Seite 106
von Pierre Boulez, Rolf Liebermann
Christoph!!
«Kein Bock auf Himmel! Ich will noch hierbleiben»,
hast du immer und immer wieder beschwörend gerufen.
Und du hast Recht behalten.
Du bleibst hier!
Auch wenn du einen gemeinen, ungleichen Kampf, der nicht zu gewinnen ist,
jetzt verloren hast.
Du bleibst hier.
Obwohl, wenn man sich ansieht, was die da oben mit ihrer Vorsehung treiben,
haben die dich...
Herr Prof. Ligeti, in Ihrem Kommentar zur Entstehung der Oper «Le Grand Macabre» beschreiben Sie einen schöpferischen Entwicklungsprozeß, der – wie ich meine – für die Situation der Musik der Siebzigerjahre und des neuen Musiktheaters im besonderen sehr aufschlußreich und charakteristisch ist. Während der Arbeit an dieser Oper, Ihrem ersten großen Werk für das...
Kaum ein Sänger hat in jüngster Zeit Publikum und Kritik so fasziniert und zu beinahe widerspruchsloser Zustimmung bewegt wie der lyrische Bariton Christian Gerhaher. Diese Widerspruchslosigkeit ist für ihn selbst freilich keine reine Freude, ja erfüllt ihn mit leichtem Misstrauen dem Publikum, vor allem aber sich selbst gegenüber. Sollte seine Gesangskunst einem...
