Denunziation willkommen: Szene aus der Innsbrucker «Gioconda»; Foto: Theater/Rupert Larl
Muskelspiele
Wer solche Untertanen hat, kann den Staatsapparat klein halten: Privatspitzel allüberall, fast an jeder Kanalecke. Und fürs besonders perfide Denunziantentum hielt das alte Venedig «Löwenmäuler» bereit, kunstfertig gestaltete Briefkästen, in denen die Beschuldigungen hinterlegt werden konnten, am besten mit Absender. Ganz prosaisch sind diese bocche di leone in diesem Fall allerdings aufgereiht und -getürmt zur Schubladenwand, aus der sich gierige Hände strecken – was eben passiert, wenn sich Historisches der Aktualisierungskur unterziehen muss.
Leicht ließe sich bei «La Gioconda», Amilcare Ponchiellis venezianischem Gegenstück zu Puccinis «Tosca», die Checkliste des Totalitarismus abhaken. Und anfangs sieht es auf der Bühne des Tiroler Landestheaters auch so aus, als werde eine weitere Variation von DDR, China & Co. durchgespielt. Doch das Regie-Duo Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka, zudem verantwortlich für die Ausstattung, bleibt nicht beim Nachbuchstabieren ostalgischer Interieurs. Während der großen Tutti-Momente im holzfurnierten Gerichtssaal, über den Inquisitionschef Alvise als sexgeiler Richter herrscht, entfremden sich Straßensängerin Gioconda und Revoluzzer Enzo ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Markus Thiel
Tropfen. Erst ist es nur einer, der im Irgendwo herabsinkt, zeitlupenhaft vergrößert wie in Andrej Tarkowskijs «Nostalghia», als ins schier Unendliche zerdehnte Zeit. Nach dem Aufprall herrscht sekundenlang Stille, dann fällt ein weiterer Tropfen. Und dann sind es immer mehr, von überall her drängen sie, elektronisch verstärkt, herein, bis man förmlich umzingelt...
Nach «Two Boys» und «Dark Sisters» hat sich der Komponist Nico Muhly jetzt «Marnie» vorgenommen – Winston Grahams von Alfred Hitchcock verfilmten Psychothriller. Eine pathologische Lügnerin raubt darin ihre Arbeitgeber aus, um unter neuem Namen anderswo von vorn zu beginnen. Bis einer sie durchschaut, abpasst, in flagranti erwischt und zur Heirat zwingt. Die Ehe...
In Helsinki zu leben, müsse schrecklich sein, vermutete vor Jahren ein englischer Musikkritiker, weil es dort weder Klempner noch Taxifahrer gebe, sondern nur Dirigenten. Mittlerweile haben sie sogar ihren eigenen Wegweiser, sozusagen die Gelben Seiten der Taktstockschwinger. Und nun dieses Buch. Agenten und Orchesterdirektoren werden sich darauf stürzen. Denn...
