Ein Wunder
Einen Abend mit einem so ausgeprägten Epizentrum der Energie gibt es selten. Nach der Vorstellung von Gaetano Donizettis «Maria Stuarda» am Opernhaus Zürich weiß man jedenfalls wieder, was das ist: eine Primadonna. In der Partie der stolzen, am Ende aber doch hingerichteten Königin von Schottland lässt es Diana Damrau hören, sehen, spüren. Ihr gehört die Aufmerksamkeit – und die Sympathie, so haben es der Komponist und sein Librettist Giuseppe Bardari angelegt.
Maria Stuart hat nicht weniger auf dem Kerbholz als Elisabeth, die Widersacherin auf dem englischen Thron, doch ihre dunklen Seiten kommen erst zum Schluss ans Licht – in der Beichte, die sie ablegt, bevor sie sich dem Henker ergibt. Zuvor kämpft sie um ihren Status, ja ihr Leben, und sie tut es mit allen Mitteln, an diesem Opernabend nicht zuletzt mit vokalen. Was Diana Damrau dabei gelingt, ist nicht weniger als ein Wunder.
Gleich zu Beginn macht Regisseur David Alden deutlich, worum es geht. Erhobenen Hauptes, in sicherer Distanz und äußerst langsam umkreisen sich die beiden in Hass entbrannten Herrscherinnen. Schauplatz ist ein Halbrund aus überaus schickem Stein; es ist das Gefängnis, in dem Elisabeth ihre ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Peter Hagmann
Gerade 40 Jahre sind es her, dass Jean-Pierre Ponnelle und Nikolaus Harnoncourt am Opernhaus Zürich ihren Monteverdi-Zyklus zeigten und die drei überlieferten Opern endgültig für das Repertoire zurückgewannen – opulente Inszenierungen der Sinnenfreude, bei denen die barocke Schaulust allerdings oft nicht von der schicken Schaufensterdekoration zu unterscheiden war....
Polen ist bislang nicht als Zentrum für Alte Musik und genuine Aufführungspraxis bekannt gewesen. Doch das ändert sich. Gerade fiel der Countertenor Kacper Szelążek in Amsterdam bei der Aufführung von Stefano Landis Tragicommedia «Morte d’Orfeo» auf (siehe OW 5/2018). Nun hat sein Kollege Jakub Józef Orliński mit der Mezzosopranistin Natalia Kawałek, die regelmäßig...
Eine Putzfrau kommt selten allein; nicht umsonst hat das Wort von der Kolonne Reinigungsgeschichte geschrieben. Diese Servicekraft aber ist anders. Trauriger irgendwie. Weltabhandengekommener. Ein Wesen, so verloren wie die Pianissimo-Kantilene in den ersten Violinen zu Beginn, die sich wie ein Aida-Faden durch sie hindurchziehen wird. Und so zart punktiert der...
