Erfundene Wirklichkeiten

Seltener Verdi: «I masnadieri» in Essen, «Les Vêpres siciliennes» in Frankfurt, «Macbeth» in Mainz

Opernwelt - Logo

Kaum eine Verdi-Darstellung verzichtet darauf, den bekanntesten Brief des Kom­ponisten zu zitieren: «Das Wahre kopieren mag eine gute Sache sein, aber das Wahre erfinden ist besser, viel besser.» Aus dieser spontanen Äußerung nach dem Besuch eines zeitgenössischen Schauspiels ein ästhetisches Credo abzuleiten, ist so verführerisch wie riskant – umso mehr, als das von Verdi verwendete Wort «il Vero» auch das «Wirkliche», also die Realität bedeuten kann.

Die Ambivalenz zwischen dem Wahren und dem Wirklichen führt dennoch – ganz im Sinne seines großen künstlerischen Vorbilds Alessandro Manzoni und dessen Roman «I promessi sposi» – genau ins Zentrum des ästhetischen Kalküls, dem Verdis Musiktheater folgt, das (anders als das Wagners) nicht auf mythischen, sondern auf historischen und literarischen Stoffen beruht. Das fordert ihre Aktualisierung auf dem Theater geradezu heraus, macht den Umgang mit dem politischen Gehalt seiner Opern aber ungleich schwieriger als im Falle Wagners, bei dem jede reale szenische Konkretisierung des Mythos greift, wenn sie nur kontingent strukturiert ist.

Verdis «I masnadieri» nach Schiller entstand zur selben Zeit wie «Macbeth». Allein schon die Nähe zum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Spielpläne

Bei Premierendaten Angabe der Namen in folgender Reihenfolge:
Musikalische Leitung, Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme - Solisten
AP = A-Premiere
BP = B-Premiere
Mat. = Matinee
N. = Nachmittagsvorstellung



Deutschland

Aachen
Tel. 0241/478 42 44+0180/500 34 64
Fax 0241/478 42 01
> Opernkonzert (Open-Air): 30.

Annaberg-Buchholz
Tel. 03733/140 71 31/2
Fax 03733/140 71 40
> Tell...

Jugendlicher Debussy, verführerischer Strauss

«In jedem Gedicht findet er den für ihn entscheidenden Dreh- und Angelpunkt, entwickelt einen zutiefst originellen Gedanken, und schon ist der (manchmal durchaus banale) poetische Gehalt pointiert, überhöht und in die Stratosphäre katapultiert.» Treffende Worte des Liedbegleiters Eric Schneider im CD-Begleitheft, der Christiane Oelze in diesem Querschnitt durch das...

Landpartie!

Im nicht-britischen Ausland hatte man noch vor 25 Jahren das «Modell Glyndebourne» als rundweg exzentrisch beäugt: Picknick in den Gartenanlagen, festliche Abendgarderobe im 30er-Jahre-Stil. Die meist gut betuchten Opernenthusiasten auf der Insel begeistert dieses Ambiente, und es gibt zahlreiche Nachahmer. Dazu zählt auch die Grange Park Opera.

Lord Ashbury hatte...