Elementare Wucht
Das Hauptstück zum Spielzeitauftakt der Hamburgischen Staatsoper und zum Antritt von GMD Kent Nagano sollten die «Trojaner» werden. Doch Intendant Georges Delnon hatte den Start im großen Haus mit zwei weiteren Premieren und einer Lichtskulptur flankiert, die den Berlioz-Abend in den Schatten stellten. Ein wahrer Knüller war die jüngste Arbeit der Stuttgarter Künstlerin rosalie. «Light Flow/Light Stream» nennt sie ihre «temporäre kinetische Lichtskulptur», die der gläsernen Außenfassade des 1955 eröffneten Hauses am Gänsemarkt vorgehängt war.
Ein diagonal aufrauschender Vorhang aus tausendfach verschlungenen, computergesteuerten Lichtadern, der den Bau des Architekten Gerhard Weber beispielhaft aufwertet. Man meint, die Fassade sei geradezu für rosalies verspieltes Nachtkunstwunder entstanden.
Mit solcher Außenwerbung dürfte sich Delnon erste Freunde in Hamburg gemacht haben. Weitere werden hinzugekommen sein dank eines Mitbringsels aus Basel, seiner früheren Wirkungsstätte. Christoph Marthalers theatralischer Liederabend «Isoldes Abendbrot» wurde auf der Probebühne gezeigt. Spielort ist eine holzgetäfelte Hotelbar. Waldgrüner Teppich, englische Ledersessel, links ein elektrischer ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Götz Thieme
Vor der Bescherung eine Rüge. «Singen kommt von Sagen», mahnte der Jury-Vorsitzender Robert Holl und erinnerte damit an Wagners Satz, dass Singen die «leidenschaftliche Form des Sprechens» sei. Textverständlichkeit war von den Opernlegenden (neben Holl unter anderem Anja Silja, Gabriele Schnaut und Thomas Moser) im Finale des Münchner ARD-Wettbewerbs vermisst...
Ihre Nase sehen Männer normalerweise nicht als Eigenpersönlichkeit – anders als jenes Körperteil, dem schon Goethe (in «Das Tagebuch», 1814) den Namen «Meister Iste» gab. Auch das russische «Nos» – der Originaltitel von Schostakowitschs 1928 uraufgeführtem Dreiakter – ist durchaus doppeldeutig, und so durfte man sich seine Gedanken über die Gestalt jener Nase...
Konzertant – eine hübsche Untertreibung war das damals. Als im Februar dieses Jahres Kleopatra-Klone vor dem römischen Parco della Musica Programmhefte an die Besucher verteilten und drinnen die Banda der Staatspolizei in schmucken Uniformen dicht unter der Decke postiert war. Mit ungewohnt warmen Trompetenklängen schickte sie den Hit aus Giuseppe Verdis «Aida» in...
