Emotionaler Hochdruck
Andernorts werden Theater geschlossen, Heidelberg eröffnet ein neues und besitzt mit dem großzügig sanierten Altbau aus dem 19. Jahrhundert sowie dem sachlich-kühlen Neubau mit 512 Sitzplätzen jetzt gleich zwei technisch hervorragend bestückte Räume, um die viele Kommunen die Universitätsstadt am Neckar beneiden werden.
Besichtigt man das von den Darmstädter Architekten Waechter elegant durch eine einheitliche Fassade verbundene Areal, so muss man der Stadt bescheinigen, dass die nicht einmal übermäßig hohen Baukosten von 64 Millionen Euro – davon fast ein Drittel durch Spenden von Mäzenen und Sponsoren gedeckt – gut angelegt sind. Die Theatermacher selbst ließen sich nicht lumpen und organisierten am Nachmittag als spektakuläres Eröffnungsfest einen ganz im Zeichen John Cages stehenden Umzug durch die Altstadt – rund 600 Mitwirkende in 40 Formationen –, bei dem Blockflöten und Schlagwerk, Posaunenchor und Gesangsvereine, Bigband und Sufi-Musiker im Verein mit den Martinshörnern von Polizei und Feuerwehr anarchisch in-, gegen- und miteinander tönten. Am Ende dieses Chaos von Klängen und Geräuschen stand das gemeinsame Unisono aller Mitwirkenden im gesammelten Schweigen von Cages ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Uwe Schweikert
Manchmal kommt die Überraschung auf leisen Sohlen, wie jetzt bei der spektakulären Wiederentdeckung von Edison Denisovs Oper L’Écume des jours (Der Schaum der Tage) in Stuttgart. Das 1986 in Paris erfolglos uraufgeführte und zuletzt 1994 in Mannheim gespielte Werk ist ein schillernder Solitär, der scheinbar leichtgewichtig stilistisch konträre Elemente wie...
So sieht sie aus, die neue Opernwelt – inhaltlich genauso gewichtig wie eh und je, grafisch aber klarer und kontrastreicher. Auch die Ausstattung ist ansprechender geworden. Für den Relaunch haben wir mit einem international renommierten Art Director zusammengearbeitet. Das erste Heft in der neuen Gestaltung eröffnet vielfältige Perspektiven auf das Jahr 2013....
Weicher Streicherklang, ein Harfenarpeggio, dann hebt er zu singen an, der geistvolle Barde: «Blick’ ich umher in diesem edlen Kreise...» Dass Christian Gerhahers erste CD mit Opernarien ausgerechnet mit Wolframs Ansprache aus Wagners Tannhäuser beginnt, ist paradigmatisch. Liedhaft, über weite Strecken unbegleitet – was könnte die Qualitäten des Baritons besser...
