Mit den Augen der Musik
Wenn Eimuntas Nekrosius in Vilnius zur Opernpremiere lädt, ist das für Litauen ein nationales Ereignis. Ursprünglich war sein «Otello» zum 90-jährigen Jubiläum der ersten stehenden Opern-Kompagnie des Landes geplant. Das Debakel seiner «Faust»-Inszenierung an der Mailänder Scala, wofür nicht zuletzt der Streik des Opernchores verantwortlich gemacht wird, stürzte den 58-jährigen Regie-Schamanen jedoch in eine Krise.
Intendant Gintautas Kevisas sah es als Ehrensache an, den bereits engagierten italienischen Dirigenten auszuzahlen und die Premiere unter finanziellen Opfern um vier Monate zu verschieben. Dabei hat das Haus seit 2009 eine 25-prozentige Subventionskürzung zu verkraften. «Ich wollte die bestmögliche Produktion unter den bestmöglichen Bedingungen», rechtfertigt sich der diplomierte Konzertpianist. Den verschlossenen Starregisseur konnte er zu seiner zweiten Opern-Inszenierung nach der «Walküre» 2007 in seiner Heimat ohnehin nur überreden, weil beide seit dem gemeinsamen Wehrdienst in der Roten Armee Freunde sind. Die 1200 Premierengäste erhoben sich denn auch in dem Moment von den Plätzen, als Nekrosius zum Applaus erschien. Der so Gefeierte hielt die Ovationen allerdings ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Boris Kehrmann
Anfang Dezember hat Donald Runnicles an der Deutschen Oper, deren glücklosem Orchester er als GMD wieder Halt und Ausstrahlung verschaffen soll, Berlioz’ monumentale «Trojaner» dirigiert. Was damals aus dem Graben drang, erinnerte eher an Wagners Mischklang als an die Kontrastwirkungen, die seinem französischen Zeitgenossen vorschwebten. Runnicles schien...
Jules Massenets lange – wie die Titelfigur – ein wenig vernachlässigte «Cendrillon» scheint sich zu einem heimlichen Hit der Saison zu entwickeln. Nach Aufführungen in Paris und Wien wird seinem Aschenbrödel ab Juli auch in London der gläserne Schuh angepasst. Und das dann in einer komisch effektvollen Inszenierung aus Santa Fe, die nächste Spielzeit nach Brüssel...
Engelbert Humperdinck, gewöhnlich auf vorweihnachtliche Aufführungen von «Hänsel und Gretel» reduziert, hatte ein enges, aber keineswegs einfaches Verhältnis zum Märchen. Das zeigt allein die Frage, welchem Genre sich seine entsprechenden Arbeiten zuordnen lassen. So werden «Die sieben Geislein» in ihrer Besetzung für Kinderchor, Sopran- und Bass-Solo mit...
