Dschungel-Blues
Der Stubenfliegenbengel singt Tenor und ist kreuz-unglücklich. Gerade erst aufgewacht, muss er schon ans Ende denken – in der festen Überzeugung, eine Eintagsfliege zu sein. Und weil Kostas noch längst nicht die Biege machen, sondern lieber mit seinen hippen Krabbelkumpels weiter durch den Großstadtdschungel stromern will, hat er den Blues. Natürlich den «Eintagsfliegen-Blues».
Irgendein Asphaltinsekt drückt ihm ein Mikro in die Hand – und schon klagt Matthias Siddhartha Otto, deutsch-indisches Mitglied des Opernstudios an der Komischen Oper, Kostas’ Leid – show-reif und in astreiner Sinatra-Crooner-Manier.
Nicht nur in dieser, von melancholischen Blechbläser-Licks, swingenden E-Bass-Grooves und butterweichen Streicher-Glissandi umspielten Bekenntnis-«Arie» outet sich der Berliner Komponist Christian Jost («Angst», «Hamlet») als findiger Kenner des Jazz-, Pop- und Musical-Repertoires. Für «Mikropolis», seine erste Kinderoper, hat sich Jost überhaupt eher an eingängigen Klängen des Alltagsgebrauchs als an Maßstäben der Avantgarde orientiert. Da lugen zum Beispiel ein paar Töne aus Ennio Morricones berühmtester Filmmelodie hervor, wenn Kostas den nahen Tod bejammert. Und die Harfe ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Albrecht Thiemann
Der erste Gedanke, wenn man diese Oper hört: Enescu kann alles! Aber er kann es nicht nur aus traumwandlerisch sicherer Beherrschung des Metiers, sondern aus tiefer Einsicht in die musikalische Praxis. Enescu war, wie historische Aufnahmen belegen, ein begnadeter Geiger, ließ im Trio mit Alfredo Casella und Louis Fournier oder in seinem Streichquartett die...
Die Deutschen machen sich’s bekanntlich nicht leicht mit ihrer Festoper schlechthin, mit Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg». Erst recht in Nürnberg. Drum tat Intendant Peter Theiler gut daran, die Neuinszenierung des heiter-tiefsinnigen, aber durch nationalsozialistische Vereinnahmung kontaminierten Werks David Mouchtar-Samorai anzuvertrauen. Der in Bagdad...
Der Dortmunder Oper war in letzter Zeit nicht viel Fortüne beschieden. Gefangen in einer fatalen Abwärtsspirale war das Haus zuletzt nur noch mäßig besucht. Die langjährige Opernchefin Christine Mielitz war 2002 in der Hoffnung engagiert worden, das von ihr verantwortete Meininger Theaterwunder in Dortmund zu wiederholen, hatte aber nach viel versprechendem Beginn...
