Hoch in Südwest
Denkbar weit spannt sich der programmatische und musikalische Bogen beim diesjährigen Festival-Sommer der Santa Fe Opera. Die Schauplätze der drei hier besprochenen Produktionen reichen vom Paris der 1920er-Jahre über ein Konzentrationslager am Ende des Zweiten Weltkriegs bis hin zum Privatleben des chinesischen Staatsmannes Sun Yat-Sen und der zeitlosen orientalischen Fantasiewelt Igor Strawinskys.
Zunächst «Fidelio» im Konzentrationslager: Stephen Wadsworth zeigt die Banalität des Bösen in einer nüchternen, einer intelligenten Inszenierung.
Er führt vor, wie selbst die als Sympathieträger gezeichneten Figuren in Beethovens Befreiungsoper – Rocco (Manfred Hemm) etwa oder Jaquino (Joshua Dennis) – zu gedankenlosen Handlangern und Mitschuldigen am Leid anderer werden und wie für Don Pizarro (stimmgewaltig: Greer Grimsley) die Grenze zwischen Pflicht und privater Rache immer mehr verschwimmt. So mehrdimensional wie Wadsworth das Böse ausstellt, lässt er auch das Gute, das sich vor allem in Leonores Liebe zu Florestan manifestiert, mit Zwischentönen erscheinen: Ungewöhnlich kindlich und verspielt verkörperte Alex Penda die Partie der für gewöhnlich heroisch angelegten Leonore. Paul ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Simon Williams
Frau Aikin, Sie haben fünfzehn Jahre in Italien gelebt. Warum wollten Sie da weg?
Das hatte zum einen private Gründe. Es war aber auch eine Entscheidung für den Beruf. Als amerikanische Sängerin, die hauptsächlich deutsches Fach singt, sah ich in Italien keine Zukunft mehr. Ich will singen, und ich will unterrichten. In Deutschland habe ich ganz andere...
Bei den Opernfestspielen in Heidenheim hat man in der diesjährigen Jubiläumssaison zum 50-jährigen Bestehen des Festivals auf die sattsam erprobte Zwangsvermählung zweier musikdramatischer Eifersuchtsdramen aus Italien gesetzt, Ruggero Leoncavallos Einakter «Der Bajazzo» mit Pietro Mascagnis «Cavalleria rusticana». Aber auf ungewöhnliche Weise miteinander...
Es bietet sich ja wirklich an. Mit großer Geste schwingt die Treppe den Berg hinauf, wie von Skylla und Charybdis flankiert, vom Dom links, von der Sankt Severi Kirche rechts. Man muss schon blind sein, um die Eignung dieses Ortes als Bühne nicht zu erkennen.
Schon wenige Jahre nach der Wende, 1994, hat das Theater Erfurt damit begonnen, hier im Sommer die...
