Tanz der Untoten
Als Parabel für moralische und psychische Verwahrlosung durch Machtgier ist «Macbeth» von zeitloser Aktualität. Angesichts der dramatischen Weltlage scheint Verdis Humanismus brisanter denn je. Allerdings gibt es in dieser Oper einige steinharte Regie-Nüsse zu knacken: Was macht man mit den Hexen und ihren chorischen Weissagungen? Wie bebildert man Macbeths Visionen plausibel, wie erklärt sich das schnelle Abdriften der Lady in den Wahnsinn?
Balázs Kovalik verlegt das Geschehen aus dem Mittelalter in eine nicht näher bestimmte Gegenwart.
Hermann Feuchter hat die Bühne durch eine Diagonale verengt, hinten ist unter Scheinwerfern die Brandmauer zu sehen. Die Diagonale ist aber nicht nur eine trist geriffelte schwarze Wand, sondern entpuppt sich rasch als raffinierte Konstruktion, vergleichbar mit dem Magazin einer gigantischen Bibliothek: Je nach Bedarf schieben sich einzelne Bühnenbild-Module heraus und verschwinden (fast) geräuschlos wieder. Zu Beginn, im Hexenbild, fährt eine Art Bordell mit Varieté-Angebot heraus, dann das sparsam möblierte Schlafzimmer des Mörderpaars mit Panzer auf dem Kamin und naiv gemalter Schottland-Idylle an der Wand. Zur Bankettszene werden gleich drei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Regine Müller
Die Ponys hören zu. Erst eines. Ein Ganzton, dann ein Halbton aufwärts, lange und leise gehalten. Dann kommen fünf weitere dazu, schmiegen sich unter die Gesangsphrase ihres Herrn. Jedes hat seinen eigenen Rhythmus, seine eigene triolische Bewegung, seine eigene chromatische Linie. Alle sind genau in der Partitur notiert, im Bassschlüssel. Sechs Ponys, das sind...
Eine Schnellstreckenstunde nur liegen sie auseinander, die Bayerische Staatsoper und das zweitgrößte Haus des Landes, das Staatstheater Nürnberg. Dank Deutscher Bahn sind sie zusammengerückt – nun auch in Repertoirefragen. «Ring», «Zauberflöte», solche Dopplungen ergeben sich quasi von selbst. In dieser Saison pflegen beide Häuser zudem fast zeitgleich zwei...
Oscar Wilde wusste genau, was er wollte: «... und dann an Stelle des Orchesters große Pfannen mit Parfüm: Die wohlduftenden Wolken steigen auf und verhüllen von Zeit zu Zeit die Bühne.» So stellte er sich seine «Salome» vor. Als Rausch, der alle Sinne anspricht, eine Feier spätantiker Dekadenz, ausgestattet in überbordendem byzantinischen Luxus. Ein Ambiente, das...
