Schützen und schätzen Sie die Kunst!
Viel habe ich während meiner dreizehn Jahre als Intendant der Bayerischen Staatsoper gelernt. Dazu gehört, dass es leider nur zu oft unumgänglich für ein Opernhaus ist, bockig und kompromisslos zu sein. Es gehört zu unseren Aufgaben, die Vorstellung darüber, was möglich oder akzeptabel ist, auszudehnen. Die Politik sollte Toleranz aufbringen für das, was wir tun und sagen.
Diese Toleranz ist lebensnotwendig für die Oper, weil wir es hier mit der irrationalsten aller Kunstformen zu tun haben, in der Musik, Aktion und Text einander auf der Bühne begegnen und miteinander fusionieren – «live», vor den Augen unseres Publikums, wodurch ihm wiederum die Ohren geöffnet werden für das großartigste kollektive Ritual, das der Mensch jemals kreiert hat.
Eine Lektion musste ich in München nicht lernen (denn sie ist jedem Engländer angeboren), nämlich dass Misstrauen gegenüber Autoritäten die oberste Bürgerpflicht sein sollte. Das ist eine Verpflichtung für alle, die auf dem Kunstsektor tätig sind. Nur zu oft befürworten Politiker die zweckmäßige Ansicht, dass Demokratie «Regierung durch Diskussion» bedeutet, aber nur dann effektiv ist, wenn man jede Diskussion abwürgen kann. Zweifelsohne werde ...
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Schumann. Er erinnert an Robert Schumann, ein bisschen. Nicht physiognomisch, dafür ist er viel zu schlaksig. Auch ist nicht bekannt, dass Schumann sich der Welt je unrasiert gezeigt hätte. Nein, vor allem das Tempo ist es, das Tempo einer Schumann-Sonate: so rasch wie möglich. Und eben diese Spielanweisung scheint es irgendwo im Hinterkopf dieses erstaunlich...
Der Dialog findet sich bei Peter Handke, in dem Drama «Die Unvernünftigen sterben aus», 1973 geschrieben, unverständlicherweise nicht gerade häufig gespielt. Wunderbare Sprache, als Metapher über den Zustand der bürgerlich-kapitalistischer Gesellschaft nahezu unübertroffen. Ein Gespräch zwischen dem zynischen Unternehmer Hermann Quitt und seiner Freundin Paula...
Lassen Sie uns mit einer persönlichen Frage beginnen: Sie sind dreizehn Spielzeiten lang Chef der Bayerischen Staatsoper in München gewesen, Sie sind von Queen Elizabeth II. zum Knight of the British Empire geschlagen worden. Welche Anrede gefällt Ihnen am besten? Herr Staatsintendant? Sir? Mister Jonas?
Das mit dem Staatsintendanten habe ich sofort nach meinem...
