Erlaubt ist, was gefällt
Bei der Inszenierung von komischen Opern ist Logik nicht das oberste Gebot. Wenn’s gefällt, lässt man sich manche Ungereimtheit gern gefallen. Wenn nicht, verzeiht man weniger.
Davide Livermore hat in Pesaro Rossinis «L’italiana in Algeri», diese aberwitzige Buffa über den Clash der Kulturen, in eine künstliche Comic- und Kinowelt der 60er-Jahre übertragen – freilich ohne ihr neue Aspekte abzugewinnen. Statt auf Charakter- oder Situationskomik setzt er auf action, die Dauerchoreografie nervt bald ebenso wie die grelle Kostümierung.
Die Sänger indes tragen das schräge Konzept, allen voran der wendig-komödiantische Alex Esposito als Mustafa, der auch über beträchtliche vokale Agilität verfügt. Mit Abstrichen gilt das auch für Anna Goryachova als Isabella, deren Tiefe noch entwicklungsfähig ist, und den höhensicheren Tenor Yijie Shi als Lindoro. Reine Freude bereitet das delikate Orchesterspiel unter José Ramón Encinar.
Mariame Clément geht in ihrer Inszenierung von Donizettis »Don Pasquale» beim Glyndebourne Festival den umgekehrten Weg. Statt den Plot näher an unsere Gegenwart zu rücken, blickt sie zurück auf die Epoche des Ancien Régime. Eine adlige Rokoko-Gesellschaft, die hier an ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Ekkehard Pluta
Zwei Extremisten am Werk, lustvoll hier, qualvoll dort. War es dasselbe Stück, Mozarts Oper aller Opern? In Berlin tobt Slapstick über die Bühne, in Brüssel überrollt ein Sexualalptraum das Publikum. Rabiat entgrenzt beide Versionen – Lichtjahre entfernt von jeder einfühlenden Aufführungstradition. Felsenstein, Konwitschny, Sellars, Chéreau, Brook – weggeschoben....
Von Zeit zu Zeit, und wenn der Lauf der Dinge wieder mal nicht so ist, wie er sein sollte, denkt der geschichtsbewusste Österreicher an den guten alten Kaiser Ferdinand I. mit dem Beinamen «der Gütige». Wobei Letzterer sich weniger auf des Regenten Wohltätigkeit als auf seine limitierten intellektuellen Fähigkeiten bezog. So soll er, mit der 1848er-Revolution der...
Wie Soraya, nach Erhalt der Nachricht, dass sich der Schah von Persien von ihr scheiden lässt. So sieht Max Emanuel Cencic auf seinem jüngsten CD-Cover als «Siroé, Rè di Persia» aus – mit leidendem Blick und dickem Kohlekajalstrich (Decca 4786768). Das ist allerdings die einzige geschmackliche Entgleisung, die der multifunktionale Kroate sich bei seinem ...
