Mittelklasse
«It contains nudity», warnt das Cover auf der DVD-Ersteinspielung der fragmentarisch überlieferten Vivaldi-Oper «Ercole su’l Termodonte». Tatsächlich ließ der amerikanische Bühnenbildner/Regisseur John Pascoe den attraktiven, wenn auch keineswegs herkulischen Titelhelden der Ausgrabung beim Spoleto-Festival (siehe OW 9-10/2006) antik auftreten: nackt mit Löwenfell. Nur die Keule fehlte.
Und auch sonst ließ man fünf (trotz barfüßiger Krieger, die vor schwarzem Zwischenvorhang immer wieder wie griechische Vasenbilder arrangiert sind) gerade sein: Theseus hebt wie im Krimi die Hände hoch, als Hippolyta mit dem Schwert droht; Telamon trägt Ohrring; die langbeinigen Amazonen sind bis zur Taille gestiefelt und haben entgegen mythologischer Überlieferung zwei Brüste. Geschenkt. Aber leider ist die «Inszenierung» nicht nur pseudoantik, sondern auch Pseudo-Theater: Herkules ist zwar entsetzt, als er im Amazonenstaat sämtliche Phallos-Heiligtümer in Trümmern findet. Doch Leben, gar den Krieg der Geschlechter zwischen Amazonen und Griechen holt Pascoe aus dieser Bühnenbild-Behauptung nicht heraus. Prädikat: hilflos.
Und die Musik? Sie scheint mir nicht zum inspiriertesten Vivaldi zu ...
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