Nahe am Ideal
Die Liebesnacht der Marschallin und Octavians muss eine stürmische Angelegenheit gewesen sein. Furioser hätte der neue Karlsruher «Rosenkavalier» nicht beginnen können als mit dieser grandios aufgefächerten Introduktion der immer neuen, sich immer mehr überschlagenden orchestralen Anläufe, ihrer Atemlosigkeit, ihrem stetigen Nachlegen.
Die exzellente Badische Staatskapelle und ihr GMD Justin Brown bestimmen diese Strauss-Darstellung ganz wesentlich – auch in den lebensphilosophischen Ruhemomenten, bei den wundersam delikaten, nie triefenden Lyrismen, den federnden Walzer-Paraphrasen, dem leicht und beweglich gestalteten Dialog-Parlando. Dass die Aufführung sich zum Strauss-Glücksfall auswächst – dazu ist das inspirierte musikalische Gelingen die conditio sine qua non.
Nicht oft wird das zentrale Diktum der Marschallin, die Zeit sei «ein sonderbar’ Ding», optisch so sinnfällig eingefangen wie von dem Karlsruher Regieteam aus Dominique Mentha (Inszenierung), Christian Floeren (Bühne) und Ute Frühling (Kostüme). Eisskulpturen flankieren die Szene im fürstlichen Boudoir wie beim steinreichen Emporkömmling Faninal, auf dessen glattem Parkett das Bedienungspersonal per Schlittschuh ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Festivals II / Panorama, Seite 63
von Heinz W. Koch
Wenn Rolf Liebermann aus seinem Leben erzählte, waren es vor allem Anekdoten – grundiert von Humor und Understatement, getragen vom gutturalen Klang seiner Schweizer Sprechweise. Am 14. September 1910 wurde er in Zürich geboren, als Großneffe des Malers Max Liebermann. Rolf Liebermanns Elternhaus in Zürich pflegte die Musik in bürgerlicher Tradition, er besuchte...
Flügelhelm gerade gerückt, Speer herausgestreckt, dann energisch aufs Opfer zugeschritten: «Hojotoho», entfährt es der aufstampfenden Aminta. Sir Morosus zuckt zusammen. Was natürlich alles nicht in der Partitur steht. Ebenso wenig wie Amintas sieben Monate währende Schwangerschaft. Doch eine vorgeblich Schüchterne, die auch noch anderes in die fingierte Ehe...
Herr Cura, Sie haben den Samson in etlichen Inszenierungen gesungen. Nun führen Sie selbst Regie – weil Sie es besser können?
So etwas denkt man als Teenager, aber nicht, wenn man auf die Fünfzig zugeht. Aber natürlich kenne ich in dem Stück jedes Wort und jede Note – nicht nur meine eigene Rolle, sondern wirklich alles. Und ich weiß vor allem um die besonderen...
