Stimme der Natur

Erstmals eingespielt: Déodat de Séveracs veristisch-symbolistische Kurzoper «Le Cœur du moulin»

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Am Anfang glaubt man Jenufas Mühle zu hören. Nur dass es keine Wassermühle ist, die in Déodat de Séveracs Kurzoper «Le Cœur du moulin – Das Herz der Mühle» (1901-1908) klappert, sondern eine der charakteristischen Windmühlen im südfranzösischen Languedoc. Der Mistral streicht sanft durch die Segel und schwillt dann mächtig an.

Auch Janáceks Pantheismus ist in dieser Musik mit Händen zu greifen – allerdings in einer rauschhaft-nietzscheanischen Variante: Jacques, der bäuerliche Heimkehrer auf die väterliche Scholle hört die Erde, das Herz der Mühle, den murmelnden Bach singen. Und zwar ganz real, als irisierenden Chor in gereimten Sechshebern. Unterdessen verleiht das Orchester dem Wasser, dem Wind, dem Boden und der Hitze lautmalerisch Stimme. Im Gegenzug zur Vermenschlichung der Elemente singen die Winzer verwehte Vokalisen, kaum verständliche Worte, als gehörten auch ihre Arbeitsabläufe und Bräuche zur Seele der Natur. Vertont ist das veristische Bauern-Drama à la «Tiefland» oder «Cavalleria rusticana» in einer an Debussy gemahnenden, doch eigenständigen Klangsprache. Orgiastisch feiert sie die Verschmelzung von Mensch und Natur – ganz im Sinne der Lebensreform-Bewegungen der ...

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Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Medien | CDs und DVDs, Seite 42
von Boris Kehrmann

Vergriffen
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