Im Bett des Beys
Restauration oder Revolution, das ist hier, gleichsam als Fallbeispiel für die Gattung, die Frage: Glaubt man Heinrich Heine, der Leben und Werk seines Zeitgenossen Gioacchino Rossini mit großem Interesse verfolgte und kommentierte, dann lässt sich Ersteres aus der Musik des genialischen Italieners heraushören; neigt man hingegen der Ansicht Antonio Amores zu, dann müsste man mit ihm und seiner Schrift «Brevi cenni critici» von 1877 exakt das Gegenteil postulieren, dass nämlich Rossinis Tönen der Geist, die Aura der Revolution innewohne.
Tatsache ist: Rossini schlägt in seinen Buffo-Opern der 1810er Jahre («L’italiana in Algeri», «Il barbiere di Siviglia» und «La gazza ladra») einen scharfzüngig-forcierten Ton an, der neu ist in der italienischen Oper. Und nicht selten reichen seine vorgeblich heiteren Späße ins Dämonische hinüber.
Die Inszenierung der Farsa «L’italiana in Algeri» durch Nigel Lowery und Amir Hosseinpour an der Staatsoper Berlin nimmt in diesem (imaginären) Gelehrtenstreit eine entschiedene Position für Amore ein: Die gesellschaftlichen Zustände, wie sie zu Beginn der Oper beschrieben sind, lösen sich nach und nach in den Wirren eines rasch, aber sorgfältig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wenn Musiktheater primär aus ökonomischem Antrieb zustande kommt, bedeutet dies noch nicht, dass es sich künstlerisch nicht ernst nehmen und nur billige Lösungen suchen muss. Ein internationales Veranstalter-Konsortium setzte neue quantitative Maßstäbe mit einer 1998 in Peking vor der Kulisse der «Verbotenen Stadt» entwickelten Inszenierung von Puccinis «Turandot»....
Unter den Komponisten seiner Generation, die man historisch der «giovane scuola» zuordnet, war Francesco Cilea (1866-1950) schon zu Lebzeiten ein Außenseiter. Sein Nachruhm gründet sich auf eine einzige Oper, «Adriana Lecouvreur» (und auf die populäre Tenorarie «È la solita storia» aus «L’Arlesiana»). An «Gloria», sein letztes Bühnenwerk, hat er selbst nicht recht...
Wenn zwei Königskinder sich trauen und der König dazu eine Oper bestellt, dann darf das Ganze, dem Anlass gemäß, nicht wild oder gar anstößig geraten. Für Georg Friedrich Händel half da 1736 in London ein Stoff, der uns heute beachtlich albern erscheint. Zwei Paare, die sich ihrer Zuneigung gewiss sind, stellen in zweieinhalb Stunden alles Mögliche an, um genau...
