Bescheiden, wahrhaftig
Wenn ich mich an Mieczyslaw Weinberg erinnere, an seine Musik und seinen Einfluss auf meine Generation, so kann ich mich eines gewissen Schuldgefühls nicht erwehren. Natürlich hätte ich mich aktiver darum bemühen können, diesen großen und ungewöhnlichen Musiker öfter zu treffen, doch meine Schüchternheit hinderte mich daran. Eigentlich hatte ich nur eine einzige Begegnung mit ihm. Und diese erfolgte, offen gesagt, nicht auf meine Initiative. Er selbst war es, der den Wunsch äußerte, mich zu Hause zu besuchen, um meine Werke kennenzulernen.
Damals war seine Musik dank des Engagements herausragender Interpreten wie Rudolf Barschai oder Lev Markiz relativ häufig in Konzerten zu hören. Unsere Generation bewunderte die Perfektion und Schönheit, die erlesene Raffinesse und den untadeligen Stil seiner Werke. Doch dass er die Werke der nachfolgenden Komponistengeneration kennenlernen wollte, war ein ganz besonderer Wesenszug seiner Persönlichkeit. Eine Persönlichkeit, die nicht nur auf sich selbst fixiert, sondern für kompositorische Weiterentwicklungen offen war. Mein Treffen mit Weinberg war sehr bedeutsam, sehr vertraulich und wohlwollend. Er gehörte zu jenen künstlerischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Albrecht Thiemann Herr Meyer, wann sind Sie Mieczyslaw Weinberg zum ersten Mal begegnet?
Krzysztof Meyer Ich habe ihn im September 1966 in Warschau kennengelernt. Weinberg war damals mit seinem Freund Boris Tschaikowsky aus Moskau zum 10. Warschauer Herbst gekommen. Tichon Chrennikow, der damalige Generalsekretär des sowjetischen Komponistenverbandes, gehörte auch...
Im Vietnam-Krieg stürzt ein amerikanischer Pilot ab. Dreißig Jahre später erwartet seine noch immer trauernde Tochter Amelia ihr erstes Baby. In düsteren Träumen erscheint ihr Ikarus – jener fliegende Junge aus dem griechischen Sagenkreis, der sterben musste, weil er sich der Sonne zu sehr genähert hatte. Über der verstörten Schwangeren schwebt, ihrem Blick...
André Previn brachte es auf den Punkt: «Copland stand in Hollywood vor allem für eines: ‹weniger Noten›». Der vor den Nazis aus Berlin über Paris nach Amerika geflohene jüdische Emigrant wusste, wovon er sprach. Filmmusik war eines von Previns vielen Steckenpferden (der Jazz ein anderes), als Dirigent wie als Komponist hatte er sich immer wieder um die...
