Unter Beschuss
«Nicht mal ein Rapper aus der Bronx ist so zeitgenössisch wie Verdi», sagt Davide Livermore. Ein steiler, ein plakativer Vergleich, der am gesunden Urteilsvermögen des italienischen Regisseurs zweifeln ließe, wüsste man nicht, dass er sein Metier beherrscht. Das Konzept seiner aktuellen High-Tech-Inszenierung von Verdis neunter Oper «Attila» lässt an ein aus dem Jahr 1973 stammendes Diktum des britischen Verdi-Kenners Julian Budden denken: «Ezio verkörpert die hässlichsten Aspekte des Widerstandskrieges.
»
Schon während des Prologs steigt grauer Rauch über monumentalen Trümmerbergen in den düsteren Bühnenhimmel, derweil die Hunnen Rom im Sturm einnehmen und Zivilisten willkürlich erschießen lassen. Am Ende hat sich das Blatt gewendet: Zum Finale fesseln Odabella, Foresto und Ezio den Hunnenkönig an einen Stuhl und traktieren ihn mit Stichwaffen, bevor sie ihm den Todesstoß versetzen. Livermore und sein Produktionsteam unterfüttern nicht nur diese Folterszene mit Zitaten aus einschlägigen Kinofilmen unterschiedlichster Qualität. Weitere provokante Assoziationen, die sich bereits vor der Premiere herumgesprochen hatten, fielen im letzten Moment der Schere zum Opfer. War es ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Carlo Vitali
JUBILARE
Dietrich W. Hilsdorf studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main. Danach folgten Regieassistenzen, u. a. bei Hans Neuenfels. Seit 1978 erarbeitete der gebürtige Darmstädter zahlreiche Inszenierungen in den Bereichen Theater, Oper und Musical. Anfang der 1980er-Jahre wandte sich Hilsdorf verstärkt dem...
Gute Komödien sind komplexe Kunstwerke. Sie provozieren bitterböses wie befreiendes Lachen, entlocken uns ein Schmunzeln und stimmen doch nachdenklich. «Die verkaufte Braut» ist so eine gute, weil kluge Komödie. Parallel zu den «Meistersingern von Nürnberg» entstanden, avancierte Smetanas Singspiel schnell zur tschechischen Nationaloper, wurde wie Wagners...
Wie soll man dem fortschreitenden Irrsinn im gegenwärtigen Weltgeschehen mit musiktheatralischen Mitteln beikommen? Mit hochdepressiven Stücken wie, sagen wir, Janáčeks «Totenhaus» oder Dallapiccolas «Prigioniero»? Es gibt eine viel wirkungsvollere Methode, denn, ach ja, da war doch mal ein Komponist, der in ähnlich krisengeschwängerter Zeit mit Witz und Aberwitz...
