Klangbildtheater
Energie, die mit Farbe nach dem Leben greift: Der Bühnenraum ist voller Scheiben, aufgehängt wie vertikale Perlenketten in geometrischem Raster. Ihr Kolorit changiert, passt sich Ebbe und Flut der Musik an. Links ein wirrer, struwwelbärtiger Mann, die Beine in enormen Klötzen. Ein wenig erinnert er uns an Fafner. Oder an Rübezahl. Er scheint in Gedanken versponnen, als wolle er Erinnerungen herrufen oder schlechte Träume verscheuchen. Man ahnt: Es ist Golaud. «Ich komme nicht mehr aus diesem Wald heraus», singt er. Dieser Wald freilich ist nicht Außenwelt, sondern surreale Fantasie.
So beginnt Achim Freyers malerisch märchenhafte Exegese von Debussys «Pelléas et Mélisande» in Linz.
Bald fällt das Licht auf Mélisande, zunächst ein Torso, halb aus einer Zisterne lugend, später an Seilen aus dem Schnürboden hochgezogen wie eine Marionette. Wieder, wenn auch auf andere Art als in seiner Inszenierung von Sciarrinos «Luci mie traditrici» vor einem Jahr bei den Wiener Festwochen, vermeidet Freyer jede physische Interaktion zwischen den Figuren. Beinahe alle (außer Golaud, in seinen Klötzen erdenschwer plump, und dem mit einem Hydrozephalus versehenen Yniold links vorne an der Rampe) ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard Persché
Der 1837 geborene Hans Sommer war eine Doppelbegabung: erfolgreicher Naturwissenschaftler und Komponist. Erst mit Ende 40 hängte er seinen Direktorenposten an der TU Braunschweig an den Nagel, um sich ganz der Musik zu widmen. In den letzten Jahren hat man peu à peu damit begonnen, Sommers Werke wiederzuentdecken. Beim Hören der jetzt in Gera aufgeführten...
Ein Debüt kurz vor dem 80. Geburtstag, dann auch noch im erweiterten Kernrepertoire – doch, das gibt es, sogar bei Zubin Mehta. Giuseppe Verdis «Un ballo in maschera» hat er bislang nie im Rahmen einer szenischen Produktion dirigiert, bis jetzt, bis zur heftig bejubelten Heimkehr an sein früheres Haus. Und vielleicht muss man sich dabei auch nicht mehr, nach vielen...
Lange Zeit hatte Bohuslav Martinus «Griechische Passion» einen schweren Stand: 1957 von Covent Garden vor der Uraufführung abgelehnt, erfuhr das Werk gravierende Umarbeitungen, ehe es – erst nach dem Tod des Komponisten – 1961 in Zürich aus der Taufe gehoben wurde. Ein Renner ist das auf einem Roman von Nikos Kazantzakis basierende Stück immer noch nicht. Denn die...
