Schocktherapie für Giovanni
In den vier Jahren seit ihrer Gründung hat sich die Heartbeat Opera unter New Yorks Off-Broadway-Kompanien mit ihrem Markenzeichen hervorgetan: Bekannte Repertoirestücke werden auf brandaktuelle Themen abgeklopft, beschnitten, umgestellt, kurz: pointiert. Dabei können sich die künstlerischen Leiter Ethan Heard und Louisa Proske auf ein fähiges Musikerteam stützen. Daniel Schlosberg besorgt Kammerarrangements, Jacob Ashworth teilt sich mit ihm die Adaptions- und Dirigierpflichten. Auf der Höhe der Zeit soll das Ergebnis sein, deshalb für Opernneulinge wie -kenner geeignet.
Ein ehrgeiziger Anspruch. Zwar stellt sich nicht immer der erhoffte Aha-Effekt ein, langweilig geht es in Heartbeat-Produktionen dennoch nie zu – und das musikalische Niveau ist hoch.
Letztes Jahr nahm Heard mit «Madama Butterfly» das Yellowfacing und den westlichen Asien-Blick aufs Korn. Proske verlegte ihre brillante «Carmen» unterdessen an die mexikanisch-texanische Grenze, wo sie José als US-Beamten patrouillieren und Bizet-Handyklingeltöne eine Schlüsselrolle spielen ließ. Das diesjährige Spring Festival präsentiert sich mit einem Black Lives Matter-«Fidelio» sowie einem #MeToo-«Don Giovanni». Für die ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Magazin, Seite 77
von David Shengold
Der Vorhang fließt zur Seite, und was hören wir? Musik jedenfalls nicht. Nur ein hässliches, elektronisch verstärktes Schaben, verursacht von einem Greis, der im schwarzen Lederanzug an gedeckter Miniaturtafel sitzt und mit höchster Mühe seinen Stuhl zurechtrückt. Verwundern darf diese Quälerei nicht, schließlich ist Hieronymus Makropulos biblische 375 Jahre alt....
Eva-Maria Höckmayr scheint eine Vorliebe für Bühnentote zu haben. Wie schon in ihrer Berliner «Poppea» liegt die Leiche im Halbfeld links; irgendjemand hat ihre Umrisse auf den Boden gemalt. Doch wie es das Wunder will und ebenso die Musik, erhebt sich, kaum ist aus dem Off der unheilvolle Schuss gefallen, der arme Riccardo, während im Graben sein und Amelias...
Als Krimi-Autorin Donna Leon und Mezzo-Star Cecilia Bartoli vor einigen Jahren den italienischen Komponisten Agostino Steffani aus dem vermeintlichen Schatten der Geschichte holten, konnten sich die Steffani-Experten in Hannover gelassen zurücklehnen. Hier hatte der Cembalist und Hochschullehrer Lajos Rovatkay schon 1981 die «Capella Agostino Steffani» gegründet,...
