Massenet: Werther
Die verengende Transposition von Goethes epochalem Briefroman aus dem Jahr 1774 in das schlichte Handlungsschema einer «Literaturoper» eröffnete der Musik neue Weite: Räume der Seele und gewiss auch des Körperlichen in üppiger Fin-de-Siècle-Pracht. Neben der Fassung mit einem Tenor in der Titelpartie sah Massenet in einer weiteren Version einen Bariton als Werther vor. Nachdem das Wiener Festival KlangBogen beide Lesarten gegenüberstellte, folgt nun auch die Brüsseler Aufführungsserie diesem Muster (Tenor und Bariton alternieren).
Ludovic Tézier verstand es bei der Premiere, den leicht verwegenen und psychisch nicht ganz stabilen Sturm- und Drang-Literaten vorzüglich zu beglaubigen. Wie eine Rokokofigur, empfindsam-bescheiden, dann wieder frühbürgerlich emanzipiert, schwebt Charlotte durchs Stück: morgenfrisch und energisch die Mezzosopranistin Jennifer Larmore, mit wohldosierter Intensität und Geschmeidigkeit. Zusammen sorgen sie für intensive Intimität und Theatralik im kurzen Augenblick des vom Tod bedrohten Liebesglücks.
Guy Joostens Produktion ist durchgängig in einem Biedermeier-Winkel angelegt, den Johannes Leiacker aus einer mit großen glatten Platten verkleideten Ecke ...
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Die Zuversicht des Komponisten, vor ein paar Jahren im Gespräch geäußert (OW 6/2005), hat sich längst in eine große Frage verwandelt, zumal nach dem Tod Karlheinz Stockhausens am 5. Dezember 2007. Wo wäre der «Abenteurergeist» zu finden, der sein Musiktheater «Licht» in die Realität befördert? Da harrt ein Bühnenwerk seiner szenischen «Erlösung», das voluminöser...
Seiji Ozawa dirigiert mehr mit den Augen als mit den Händen, die nur kleine Bewegungen verrichten. Die Liebesträume und Pilgerzüge des «Tannhäuser» erblühen betörend farbig und intensiv. Mit klarer Stimmgewalt bestreitet Eva-Maria Westbroek die Partie der Elisabeth. Gegen sie behauptet sich mit erotischen Verlockungen das dunkler getönte Organ von Béatrice...
Anita Cerquetti war eine der rätselhaftesten Erscheinungen der Operngeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Erst zwanzigjährig debütierte sie 1951 als Aida in Spoleto, arbeitete sich in den folgenden Jahren mühsam durch die Provinzen in die erste Reihe vor und hatte ihre große Stunde, als sie im Januar 1958 nach dem skandalumwitterten «Norma»-Abbruch in Rom für die...
