Chiaroscuro

New York, Gluck: Iphigénie en Tauride

Opernwelt - Logo

Bis zur aktuellen Spielzeit hatte Plácido Domingo nur ­einen kurzen Blick auf das Repertoire des Barock geworfen: 1966 trat er in Boston an der Seite von Beverly Sills in einer Produktion von Rameaus «Hippolyte et Aricie» auf. Freilich hat er immer wieder betont, dass er sich mit der Musik dieser Epoche weiter beschäftigen wolle. Glucks Baritonpartie des Oreste gibt ihm nun dazu Gelegenheit. Zudem: Domingo gesteht, dass nichts ihm auf der Bühne mehr behagt als zu leiden. In dieser Hinsicht kann Oreste es durchaus mit Siegmund und Don Alvaro, zwei seiner Lieblingspartien, aufnehmen.


Erwartungsgemäß machte Domingo seine Sache nobel, er stattete die Figur mit mannhafter Leidenschaft und viel Düsternis aus. Sein Oreste wirkte, wie es die Rolle verlangt, zugleich imposant und zerrüttet, er formte die Accompag­nato-Rezitative in markig-heroischer Manier, wenn auch ohne den sprachlichen Feinschnitt mancher Kollegen. Am Premierenabend sang Domingo mit schallendem Klang, mühelos und gefes­tigt in den tieferen Registern. Der schlanke, konturschärfere Klang von Paul Groves in der Rolle des Ores­te-Gefährten Pylade führte in den Dialogen zu einem schönen Chiaroscuro – trotz einer überraschenden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2008
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Matthew Gurewitsch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aus Bruder Oliviers Skriptorium

Über das Leben vieler Nachkriegkomponis­ten wissen wir wenig. Zu nah ist ihre Zeit der unseren, zu präsent sind sie als Kommentatoren in eigener Sache, und gottlob ist mancher von ihnen noch schöpferisch tätig. So haben die Klassiker der seriellen Ära eines ihrer Ziele vorübergehend erreicht: Die Rationalität des Werks überstrahlt die Irrationalität des Urhebers....

König Alkohol

Schon mit seiner ersten Opernregie, Glucks «Orpheus und Eurydike» im Januar 2006, gelang dem gebürtigen Magdeburger Andreas Kriegenburg ebendort ein Coup. Er verlegte das Liebesdrama in eine Zwischenwelt aus Mythos und Moderne, zeigte Figuren von heute, die dennoch etwas Überzeitliches hatten und ihr Schicksal gleich mehrfach erleben mussten.
Auch das Personal von...

Der innere Puls

Die viel beschworene Krise des Wagner-Gesangs ist zu wesent­lichen Teilen eine des Wagner-Dirigierens. Beides hängt ursächlich miteinander zusammen. Seit Wagners Zeit haben sich nahezu alle Parameter des Orches­terklangs verändert – mit der Tendenz, den Stimmen mehr und mehr zuzumuten. Das gilt für Tonhöhe, Tonspannung und Tempi ebenso wie für Besaitung und...