Erinnerung

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Alle wollten ihre Stoffe, ihre Schnitte, ihre Farben. Peter Stein, dessen Berliner Schaubühnen-Ensemble sie über mehr als zwei Jahrzehnte in Kleider steckte, die wahre Leute machten. Klaus Michael Grüber und Robert Wilson, George Tabori und Patrice Chéreau, der Moidele Bickel u. a. für seinen Salzburger «Don Giovanni» (1994) und sein Filmepos «Die Bartholomäusnacht» engagierte. Der subtile, zauberhafte Kostümrealismus der gebürtigen Münchnerin traf fast immer die Essenz einer Figur, ihrer Stimmung, ihrer Zeit.

Sie war eine Ausnahmekünstlerin mit untrüglichem Sinn für die enthüllende Verhüllung, für die Offenbarungen der Oberfläche. Auch die Opernbühne hat sie damit beseelt. Eine Gabe, die man zuletzt bei der Salzburger Uraufführung von Marc-André Dalbavies «Charlotte Salomon» (2014) bestaunen konnte. Am Pfingstmontag ist Moidele Bickel in Berlin gestorben. Sie wurde
79 Jahre alt.                             

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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Albrecht Thiemann

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