Raus aus dem Sumpf
Liebhaber der Barockoper wissen um die delikaten Entstehungsumstände der Ballet-buffon «Platée», die Mitte des 18. Jahrhunderts im Théâtre de la Grande Ecurie das Kerzenlicht der Opernwelt erblickte. Zwischenzeitlich vergessen, fand das Stück in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Wiederentdeckung Rameaus (und des barocken Musiktheaters) neben «Hippolyte et Aricie», «Castor et Pollux» und «Les Boréades» wieder auf die Bühne.
Geschrieben wurde die heiter-boshafte Ballettoper anlässlich der Hochzeit des Dauphins mit der spanischen Infantin in Versailles 1745. Die Handlung basiert auf einer spätantiken Geschichte und präsentiert einen wüsten Spaß, den sich die olympischen Götter mit der liebeshungrigen Sumpfnymphe Platea gemacht haben sollen: Einer «hässlichen Kröte», die sich selbst für unwiderstehlich hält, gaukelt man vor, dass Jupiter sich für sie interessiere. Die Royals fanden das ziemlich hemmungslose Theatervergnügen bei der Uraufführung wohl etwas degoutant, da die zur Vermählung herangeschaffte spanische Prinzessin alles andere als eine Schönheit und mithin unschwer als Vorbild der Nymphe zu interpretieren war. Die grotesk virtuosen Arien von La Folie (der ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Frieder Reininghaus
«Es war einmal», schrieb er damals auf den blauen Vorhang. Die Kreide quietschte, während im Graben des Münchner Nationaltheaters das Es-Dur-Vorspiel heraufdämmerte – was orthodoxe Wagnerianer prompt erboste. Obgleich Robert Tear noch keinen Ton in diesem «Rheingold» gesungen hatte, galt er sogleich als Bösewicht. Zweieinhalb Stunden später, als der Brite die...
Die immer wieder mal aufflackernde Debatte über Sinn oder Unsinn der Literaturoper im Zeitalter der (Post-)Moderne ist oft ein Streit um des Kaisers Bart. Denn wenn ein Auftrag für die Bühne winkt, orientieren sich die meisten Komponisten nach wie vor an dem, was die Dichtung spricht. Geschichten aus der Bibel, antike Mythen, Shakespeare, Kleist oder Puschkin...
Den Coup de Théâtre hebt sich Regisseurin Mariame Clément für den Schluss auf: Marguerite meuchelt Mephisto, lässt auch Faust entseelt zurück, kommt vor zur Rampe und legt mit frivolem Lächeln Lippenrot auf. Dem zur Ironie neigenden Zuschauer kommt dabei unwillkürlich der Operettenschlager Walter und Willy Kollos in den Sinn: «Die Männer sind alle Verbrecher, ihr...
