Schule des Hörens
Drei Jahrhunderte überspannt diese Anthologie von Schubert-Liedern – die erste Aufnahme, das «Ave Maria» mit der ansonsten nicht bekannten Edith Clegg, entstand 1898, die letzte, «Du liebst mich nicht» mit Kate Royal, 2010. Insgesamt versammelt die voluminöse Kassette, einschließlich der drei Zyklen, 440 Aufnahmen von fast hundert Sängerinnen und Sängern. Als diese Sammlung erstmals 1982 auf 8 LPs erschien, damals noch auf die Schellack-Ära bis 1952 begrenzt, erklärte der Schubert-Forscher Arnold Feil apodiktisch: «Nahezu alles wirkt veraltet, manches fast komisch.
» Das Gegenteil trifft zu, erst recht in der erweiterten und bis zur Gegenwart fortgeschriebenen Auswahl. Es ist eine unerschöpfliche, aber auch widersprüchliche (weil Widersprüche provozierende) Schule des Hörens – des kritischen, relativierenden Hörens und dies nicht nur, weil viele der populären Lieder («Erlkönig», «Gretchen am Spinnrade», «Du bist die Ruh», «Der Leiermann», «Auf dem Wasser zu singen») in mehr als einer Aufnahme zum Vergleich einladen.
Jede musikalische Interpretation ist, als Schallaufzeichnung, im Moment ihres Verklingens historisch – die älteste so gut wie die jüngste. Das rückt die Maßstäbe ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Medien, Seite 30
von Uwe Schweikert
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