Kasperle-Theater

Weber: «Der Freischütz», Bremen / Theater am Goetheplatz

Opernwelt - Logo

Der Grundidee begegnete man schon in Achim Freyers Stuttgarter «Freischütz»-Konzept von 1980. Dort berief sich der Regisseur auf Folklore und Kasperletheater, stattete das Werk entsprechend aus und ließ die Personen – wie Sebastian Baumgarten jetzt in Bremen – mit hölzernen Bewegungen wie Puppen agieren. Wobei Freyer allerdings niemals – so schrieb Imre Fabian (siehe OW 11/1980) – die Personen zu denunzieren versuchte. Das sieht bei Baumgartens depperten, degenerierten Bauerntölpeln, die da zu Beginn ein Preisschießen veranstalten, etwas anders aus.

Auch das blondbezopfte, hypersensible Seelchen von Agathe hat eher einen parodistischen Einschlag, ebenso wie das in ständiger fröhlicher Überdrehtheit umherhüpfende Ännchen, das hier lieber Anne genannt sein will.

Auch sonst geht Baumgarten weit über Freyers im Grunde werktreues Konzept hinaus: Er bringt eine Reihe neuer interpretatorischer Ansätze in sein «Freischütz»-Konzept ein. Man kann ihnen zum Teil nur schwer folgen. An zentraler Stelle steht nicht, wie einst für Pfitzner, der deutsche Wald, sondern die Kolonialpolitik des Deutschen Reichs unter Wilhelm II. Dazu werden historische Texte (etwa Redeausschnitte) in den Dialog ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhart Asche

Weitere Beiträge
Was ist deutsch?

Der Autor, Historiker am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, verspricht uns ein Buch «um Wagners Nachleben, um seine Rezeption in der deutschen Gesellschaft, um die Akzeptanz und die Abgrenzung von einer Idealfigur», deren Werk wie der damit verbundene Wagnerismus «als Bestandteile der deutschen Geschichte zwischen 1883 und 2013» (S. 14) bezeichnet...

Fürs Erste gerettet

So intim, so bewegend kann Oper sein: Unmittelbar vor den Zuschauern öffnet sich das sandgelbe Halbrund einer Arena, das Orchester verschwindet nicht im Graben, sondern ist auf dem Rang ­positioniert. Der Klang fließt ungehindert in den Saal; Publikum, Sänger und Musiker schließen sich zusammen in einem innigen Kunstgehäuse. In der Bühne am Park, dem kleinen,...

Impressum

54. Jahrgang, Nr 5
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag - Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752255


Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61, 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de

Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 11.04.2013

Redaktion:
Stephan Mösch (V. i. S. d. P.)
Albrecht...