Erstklassig gecastet
Warum verwendete Händel nicht den Librettotitel «Ginevra», warum nannte er das Stück nicht wenigstens «Ariodante ed Ginevra»? Weil er ein Macho war? Wohl kaum, tragen doch zehn seiner gut 40 Opern den Namen einer Heldin, darunter meisterliche Schöpfungen wie «Agrippina» und «Alcina». Es lag zweifellos an der historischen Divergenz von Lebensläufen; hätte er Roberta Mameli hören dürfen, die Titelgeschichte wäre anders gelaufen.
Denn in Drottningholms Schlosstheater macht die italienische Sopranistin jetzt Ginevra zur Hauptfigur, was dramaturgisch ohnehin der Fall ist, sängerisch aber keineswegs selbstverständlich, wenn eine Ann Hallenberg dem Ariodante ihren distinguierten, mit berückenden Valeurs ausgestatteten Mezzo leiht. Daneben behauptet sich nicht nur Mamelis ebenso durchdringendes wie leicht herbstlich getöntes Timbre, sie triumphiert geradezu in schauspielerischer Hinsicht und sorgt derart für das schwedische Sommerereignis des Jahres.
Überhaupt hat das älteste Barocktheater des Landes – Confidencen im Park von Ulriksdal ist noch älter, aber nicht originalgetreu erhalten – wieder erstklassig gecastet. Francesca Aspromonte gibt eine elegante, in jeder Lage mühelos ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Volker Tarnow
Seit 1975 macht das Festival della Valle d’Itria in der süditalienischen Kleinstadt Martina Franca mit Unbekanntem, Ausgrabungen und ungewöhnlichen Fassungen geläufiger Werke von sich reden. Während das Publikum gerade den Spezialitäten-Zuschnitt des Programms schätzt – selbst aus Asien reisen immer mehr Besucher an –, ist die ideelle wie finanzielle Unterstützung...
Ein Sommerabend in Rom. Sonnenstrahlen scheinen auf antike Ruinen, Überziehen die Terrakottatöne mit Bronzeglanz. Alles duftet noch nach der Hitze des Tages, die jetzt heftig aus den Steinen emporsteigt, einen Augenblick über der Erde verweilt, massig und schwer, bevor der Wind sie in den Himmel trägt. In den Pinien und Zypressen singen die Zikaden, über ihnen...
Es hätte so schön sein können. Ein Wiedersehen mit seiner Geburtsstadt, ein tolles Stück, ein hervorragender Cast. Als Christoph von Dohnányi sich aber mit den Details der «Salome»-Inszenierung von Hans Neuenfels an der Berliner Staatsoper vertraut machte, warf er, kurz vor der Premiere im März 2018, das Handtuch – wegen «künstlerischer Differenzen». Ein...
