Sängerfest
Zuallererst war es eine Sternstunde des Belcanto: «La donna del lago» an der Scala (eine Koproduktion mit der Opéra National de Paris). Hervorragend besetzt mit dem tenore di grazia Juan Diego Flórez und der virtuosen Joyce DiDonato, die als schottische Nixe in der Titelrolle ihre Koloraturen perlen ließ wie kristallklares Highland-Wasser. Zugleich aber wirkte die Produktion in der geradezu dreist einfallslosen Regie von Lluis Pasqual wie ein Todesurteil für die klassische Opera Lirica als lebendige Kunstform.
Im Programmheft erläutert der katalanische Regisseur, der sich immerhin seit gut dreißig Jahren mit Opernregie beschäftigt, mit schwer zu leugnender Hybris, man wisse ja, dass zur Entstehungszeit der Oper im 19. Jahrhundert Regie schlicht inexistent war. Diese Einsicht reichte offenbar für den Freibrief: Es fand keine Personenregie statt. Über drei Stunden passierte auf der Riesenbühne der Scala rein gar nichts. Das muss man Pasqual erst einmal nachmachen. Für einen konzertanten Abend mit Rampengesang wirkte die edel goldgrundierte Szenerie dann aber doch arg überteuert. Ezio Frigerio baute für die Oper nach einem romantischen Stück von Walter Scott ein Halbrund mit ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Birgit Pauls
Gläserne Strahlkraft. Dramatische Fallhöhe und eine luxurierend ummäntelte Erotik. Die stimmliche Ausstattung von Véronique Gens, wenn man sie live hört, ist etwas Besonderes. Sie lässt sich kaum besser umschreiben als mit dem Ausdruck «grandeur». «Würde», «Herrlichkeit», «Grandezza» – das alles schwingt mit. Nicht sehr moderne Eigenschaften, scheint es. Véronique...
Sie stehen zwar nicht ganz im Dunkeln, aber doch im Schatten: die späten Musiktheaterstücke von Kurt Weill. Der amerikanische Weill wird noch immer gern mit deutscher Herablassung abgekanzelt: ein Kunstschaffender, der am Broadway fremdgeht. Als habe Weill seine Heimat frei- und mutwilig verlassen.
Wenn die Niedersächsische Staatsoper jetzt seine «Lady in the Dark»...
Neu ist die Idee nicht, im Rahmen eines Albums den musikalischen Wechselbeziehungen zwischen Orient und Okzident nachzugehen. Das Barockorchester Concerto Köln und das auf musikalische Grenzgänge spezialisierte Ensemble Sarband um Vladimir Ivanoff etwa brachten 2003 eine viel beachtete CD mit dem Titel «Dream of the Orient» heraus, die diesem Konzept verpflichtet...
