Klartext
Die Sache liegt lange zurück. Sehr lange. Drei Jahrzehnte waren verstrichen, als sie wieder zum Vorschein kam. Allerdings erst auf den zweiten oder dritten Blick. Und sichtbar wurde sie nur für Zeitzeugen, denen plötzlich wieder einfiel, was damals wirklich vorgefallen war. Die wussten, was hinter der pauschalen Kritik an jenen damals jungen Opernregisseuren der DDR steckte, die Harry Kupfer kurz vor seinem 80. Geburtstag in einem Gespräch mit dieser Zeitschrift geäußert hatte (siehe OW 8/2015).
Wir hatten den ehemaligen Chefregisseur der Komischen Oper unter anderem gefragt, warum an «seinem» Haus vor der Wende praktisch kein bedeutender Theaterkünstler der Nachkriegsgeneration inszenieren durfte. Kupfers Erklärung: «Ich hatte den Eindruck, dass bei vielen das Ego wichtiger war als die Geschichte, die erzählt werden sollte. Dass viele sich mit an den Haaren herbeigezogenen Ideen oder grellen Bildern interessant machen wollten. Auf Kosten der Stücke, der Texte und der Musik. ... Das waren für mich verlorene Talente. Wenn visuelle Mätzchen, vordergründige Provokationen die Personenregie ersetzen, dann steige ich aus. ... Die Figuren müssen mich fesseln, ich muss spüren, was in ihnen ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Albrecht Thiemann
Es klingt wie ein philologischer Hinweis und hat doch viel mit dem sinnlichen Klangerlebnis dieses Abends zu tun: Verdis «Macbeth» wird in Karlsruhe in der Fassung von 1865 gespielt – und zwar komplett. Die Betonung liegt auf komplett. Verdi hat seine Oper knapp zwanzig Jahre nach der Uraufführung für Paris überarbeitet und sozusagen auf den Stand der...
Richard Wagner war einer der ersten Komponisten, der nicht den Notentext, sondern die Aufführung als «Werk» verstand: Ein Kunstwerk, so seine Überzeugung, existiere nur dadurch, dass es «zur Erscheinung» komme. Und für das Drama sei das nun mal die Aufführung auf der Bühne. Damit unterschied sich Wagner nicht nur von starken Tendenzen der zeitgenössischen Ästhetik...
Die Ponys hören zu. Erst eines. Ein Ganzton, dann ein Halbton aufwärts, lange und leise gehalten. Dann kommen fünf weitere dazu, schmiegen sich unter die Gesangsphrase ihres Herrn. Jedes hat seinen eigenen Rhythmus, seine eigene triolische Bewegung, seine eigene chromatische Linie. Alle sind genau in der Partitur notiert, im Bassschlüssel. Sechs Ponys, das sind...
