Intimität und Überschwang
Das Klavierlied nimmt im kompositorischen Schaffen der großen Operndiva Pauline Viardot-Garcia die zentrale Stellung ein. An die 150 Titel nennt ihr Werkverzeichnis, und wie es bei einer so polyglotten Künstlerin nicht anders sein kann, in fast allen europäischen Sprachen. Die 45 russischen Lieder, von denen die Hälfte jetzt bei dem kleinen französischen Label Ligia vorliegt, entstanden überwiegend Mitte der 1860er-Jahre nach dem offiziellen Abschied der Sängerin von der Opernbühne, gleichsam für den Hausgebrauch.
Den engen Bezug zur russischen Literatur verdankt die Viardot ihrer Freundschaft mit dem Dichter Iwan Turgenjew, der ein großer Mittler zwischen den Kulturen war. So finden sich unter den Liedtexten neben Lyrik von Puschkin und Lermontow auch russische Adaptionen deutscher Dichtungen wie Eduard Mörikes «In der Frühe».
Trotz der russischen Texte ist der Tonfall der meisten Lieder sehr französisch, verbindet sich mit Reminiszenzen an die romantische Belcanto-Oper. Eine Prise slawische Schwermut ist als Gewürz beigefügt. Das erinnert manchmal an Tschaikowsky, dessen Lieder freilich erst später entstanden. Große Originalität können diese Kompositionen also nicht für sich in ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Medien, CDs, Seite 26
von Ekkehard Pluta
Antonín Dvorák durchlebte in seinen drei überaus erfolgreichen und fruchtbaren Jahren in Amerika auch eine Phase der Depression, die auf finanzielle Sorgen (infolge einer Wirtschaftskrise blieben seine Honorare aus) und Todesfälle im Freundes- und Familienkreis zurückzuführen war. Hinzu kamen Anfälle von Heimweh. Dies alles veranlasste den gläubigen Komponisten,...
Vor dem Eingang zur Pariser Opéra Comique stehen sie seit 1898 Seite an Seite, in Stein gemeißelt, überlebensgroß: Carmen und Manon, jene beiden Frauen, die nach den Worten des legendären Impresarios Albert Carré «die zwei Meisterwerke dieses Hauses und der französischen Musik» repräsentieren.
Ist es Manons Schuld, wenn heute Carmen die Spielpläne dominiert? George...
Wer derzeit durch die internationalen Opernpläne scrollt, staunt nicht schlecht: Just Igor Strawinskys «The Rake’s Progress», der nach der venezianischen Uraufführung im Jahr 1951 in den Augen progressiver Kreise den Ruf vom «Reaktionär» Strawinsky eindrucksvoll zu bestätigen schien – diese einzige «echte» Oper des russischen Weltbürgers erfährt derzeit etliche...
