Rausch der Verwandlung
Die Szene kennen wir, sie zählt zu den entrücktesten des Stücks. «Tannhäuser», dritter Akt, wenige Minuten nach dem Entrée, das Lento. Ein Engel fleht um Aufnahme in den himmlischen Kreis, «mit halber Stimme», in hauchdünnem pianissimo und jenem silbrig schimmernden Ges-Dur, das Richard Wagner mit Bedacht für Elisabeths Gebet wählte, um ihrem Ansinnen den nötigen feierlichen Ausdruck zu verleihen. Was hat sie zuvor auch gelitten. Erst verlassen, dann betrogen und gedemütigt, nun der letzten leisen Hoffnung beraubt, den abtrünnigen Geliebten rettend in die Arme zu schließen.
Entsprechend desillusioniert hockt sie da im verwaisten Ballettsaal, die in apartes Dunkelblau gewandete Svetlana Aksenova, und produziert, vom Nederlands Philharmonisch Orkest unter Marc Albrecht wie auf weinenden Wolken getragen, einen schaurig-schönen Ton nach dem anderen. So weit, so tragisch.
Doch etwas ist anders als sonst in Christof Loys exzeptioneller Amsterdamer Inszenierung. Nicht nur Wolfram, der stets treue, unglücklich Liebende, hat sich, um den Schmerz zu lindern, eingefunden, seit einer Weile wandelt wankend noch eine weitere Trostsuchende über die riesige, zahnlose Bühne von Johannes Leiacker, ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
60. Jahrgang, Nr 6
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
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Best.-Nr. 752323
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Letzten August widmete das Magazin der «New York Times» dem Thema eine ganze Ausgabe: «Losing Earth. The decade we almost stopped climate change». Es ging um die Jahre 1979 bis 1989, als die Theorie der hausgemachten globalen Erwärmung zum ersten Mal ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte und die Mächtigen dieser Erde nur ein paar Unterschriften entfernt waren...
Herr Stölzl, Sie sind ein Regisseur und Bühnenbildner des «think big». Gewaltiger als auf der Bregenzer Seebühne geht es ja nun nicht mehr ...
Stimmt. Ich überlege wirklich, was danach noch kommen soll. Vielleicht war’s das nun? Aber im Ernst: Ich hatte immer davon geträumt, in Bregenz zu arbeiten. Mit Anfang 20, als Bühnenbildassistent an den Münchner...
