Wo Unaussprechliches geschieht
«Britten is ja schon ’n echt harter Stoff, wa?», kommentiert der Taxifahrer, als er vom Berliner Schiller Theater auf die Bismarckstraße biegt. «Na ja», hebe ich an, «eigentlich nicht. Im Vergleich zu dem, was andere musikalisch in den Fünfzigern ...»
Aber er hat nicht ganz unrecht.
Dem Freund aus England ist nach der Vorstellung beklommen zumute, weil das, was in «The Turn of the Screw» den Hintergrund bildet, in der Upper Class mitnichten Geschichte ist: das «Abschieben» von Kindern in Internate und zum Personal, weil die eigentlich Verantwortlichen mit «affairs, travel, friends, visits, always something» beschäftigt sind. Weil Missbrauchsfälle jeden Tag in der Zeitung stehen. Vor allem geht die Mischung aus Psychothriller und Gespenstergeschichte unter die Haut, weil hier, wie in Henry James’ Novelle, in allen Beziehungen eine unheilvolle Zweideutigkeit schwelt – was sie für Regisseure zu einem Fest und einer Herausforderung zugleich macht.
In Berlin ist der Landsitz Bly ein schwüler Schlund. Dunkelrote Wände, verschlossene Türen. Ein stickiges Foyer; ein Gang, der sich in Finsternis verliert; ein leerer Saal, durch dessen trübe Fenster milchiges Licht sickert. Christian ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Wiebke Roloff
Er war kein Mann des Rampenlichts. Selbst wenn «seine» Donaueschinger Musiktage im Herbst brummten, blieb er fast unsichtbar. Doch ohne ihn hätte das älteste Festival für Neue Musik sich kaum so konsequent für die Theater-, Medien- und Bildenden Künste unserer Zeit geöffnet. Armin köhler war ein stiller Visionär, ein Beziehungsstifter, der die «alte» Avantgarde (in...
Kurios, Mozarts frühe azione sacra: Alle Zeit der Welt wird da mit einem Gottesbeweis zugebracht. Ozìa, Fürst der belagerten Stadt Betulia (Anicio Zorzi Giustiniani), versucht Anchior (István Kovács) zu missionieren, einen Prinz aus dem feindlichen Lager. Mit Vernunft, wohlgemerkt: Da weht der Geist der Aufklärung. Besonders anschaulich ist das natürlich nicht –...
Wir meinen sie zu kennen. Halb Luder, halb Liebende. Mal femme fatale, mal femme fragile. Hier Luxusweib, dort Leidensfrau. Klar doch: Zwei Seelen wohnen, ach! in ihrer Brust; in rastlosem Dauerclinch, bis schließlich das Herz daran zerbricht – und das ihres mittellosen Galans gleich mit. So hat Abbé Prevost anno 1731 Manon Lescaut (und den Chevalier Des Grieux) in...
