Dein ist mein ganzer Schmerz
Das Werk steht unangetastet vor uns. Doch die Umstände haben sich radikal verändert, damit die Bedingungen der Rezeption.
Denn wohl niemand wird ernstlich bezweifeln, dass der Hauch des Exotischen, wie er noch 1929 vom Land des Lächelns ausging, inzwischen einer fast pragmatischen Sichtweise gewichen ist: China, das ist nicht mehr länger Chiffre für das Andere schlechthin, für den Duft der Lotusblüte, für Dynastie und Mystik, China ist schlicht ein Land, mit dem man Wirtschaftsbeziehungen pflegt oder wohin man reist, um an den Olympischen Spielen teilzunehmen (oder auch nicht, betrachtet man die aktuelle politische Lage) und (wenn man fährt) nebenher die Chinesische Mauer zu besichtigen.
Betrachtet man Lehárs «Land des Lächelns» aus dieser gleichsam realkapitalistischen Perspektive, mutet diese romantische Operette beinahe lieblich-naiv an. Das betrifft sowohl die musikalische Faktur, die doch recht klischeehaft mit den Eigenheiten Chinas verfährt (Pentatonik, Quinten- und Quartenreihungen et cetera) wie auch das Libretto der Operette, welches Ludwig Herzer und Fritz Beda-Löhner nach Victor Léon verfassten. Für die neue Aufnahme durch Ulf Schirmer, das Münchner Rundfunkorchester, ...
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Als die dreizehnjährige Ballettschülerin Edith Aptowitzer am 14. März 1938 zum Unterricht in die Staatsoper will, tritt ihr ein Pförtner in den Weg. «Juden kommen hier nicht rein», erklärt er. Die heute 83-Jährige schildert den Vorfall mit stockender Stimme bei der Pressekonferenz zur Ausstellung der Wiener Staatsoper «70 Jahre danach – Täter, Opfer, Zuschauer»....
Schade, dass Stephan Suschke sich erst im zweiten Teil des Abends darauf besann, dass Opernregie mehr bieten sollte als ausgefeilte Dialoge und ein paar bühnenwirksame Auftritte. Heinrich Marschners romantische Oper «Der Vampyr» hatte auf den Tag genau 180 Jahre nach der Leipziger Uraufführung in Würzburg Premiere – in jener Stadt also, wo der junge Richard Wagner...
«Eigentlich war ich», sagt Christa Ludwig, «ein Antityp der Carmen. Einmal, Anfang der 1960er Jahre, sprang ich an der Wiener Staatsoper für Jean Madeira ein, eine Carmen wie gemalt. Ich war dagegen ein Fiasko –‚ ‹Trotzköpfchens Zigeunerhochzeit›, schrieb der Kritiker Karl Löbl, und er hatte Recht.» Wer so erfolgreich war und so unumstritten ist wie die Ludwig,...
