In eine andere Richtung gehen
Es sieht fast so aus, als falle die lateinamerikanische Operngeschichte in das Fachgebiet der Architektur. Denn wirklich berühmt sind allein zwei Häuser: das Teatro Amazonas in Manaus und das Teatro Colón in Buenos Aires. Und sie sind nicht für die dort gespielte Musik berühmt.
Im brasilianischen Manaus erklang fast 100 Jahre lang überhaupt keine Oper; in Buenos Aires gab es zwar zahlreiche Aufführungen europäischer und einheimischer Werke, aber der Mythos «Colón» knüpft sich eher an die fantastische Akustik des Hauses, an eine selbst für argentinische Verhältnisse außergewöhnliche Klientelpolitik und Finanznöte ohne Ende. Generaldirektoren kamen und gingen nach dem Drehtürprinzip, die 1500 Mitarbeiter hatten vorzugsweise ihre Unkündbarkeit bis zum Jüngsten Tag im Auge. Künstlerisch ereignete sich, abgesehen von europäischen Importen, wenig Bedeutsames.
Das Colón ist das steingewordene Symbol des Landes, in dem es steht, ein tragikomisches Miniatur-Argentinien, maßlos und unregierbar, über Jahrzehnte den wechselnden Autoritäten hoffnungslos ausgeliefert. Es war kein Zufall, dass das größte Bühnenwerk des nationalen Repertoires, Alberto Ginasteras «Bomarzo», hier Schiffbruch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Volker Tarnow
Im Gedächtnis der Opernfreunde wird Manfred Jung, der am Karfreitag nach langer schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren verstarb, vor allem als Siegfried in Patrice Chéreaus sogenanntem «Jahrhundert»-Ring bleiben, der auch in einer Filmversion vorliegt. Bayreuth war seine künstlerische Heimat, in der er über ein halbes Jahrhundert in verschiedenen Funktionen...
alpha
04.06. – 11:00 Uhr
Valery Gergiev dirigiert Schostakowitsch: 11. Symphonie g-moll op. 103
Im Rahmen der Dmitri Schostakowitsch gewidmeten Retrospektive
04.06. – 21:20 Uhr
Meisterwerke der Klassischen Musik: Igor Strawinsky – Le sacre du printemps
Die audiovisuelle Konzertführer-Reihe gibt Einblicke in die wichtigsten Werke der Musikgeschichte vom Barock bis zur...
Ein zweites Mal ausgebootet. Zunächst von Ulisse, dann von dessen Sohn Telemaco – nicht verwunderlich, dass die Oper mit einer Rache-Arie der göttlichen Calipso endet. Wobei: Es ist eher ein Wüten von der Stange, weniger aus originellem Musikerfindergeist geboren, mit dem Johann «Giovanni» Simon Mayr die Zuhörer entlässt. Zum Zeitpunkt seines «Telemaco», am 11....
