Aus der Zeit gefallen
Zweimal Aufstieg und Fall eines Straßenmädchens, eines «leichten», wie man so sagt. Zwei französische Vorlagen. Zwei deutsche Opern. Zwei Komponisten derselben Generation. Zwei Ausgrabungen, die jetzt zu Recht auf CD erscheinen. Die Frage nach der sogenannten Repertoiretauglichkeit ist müßig und kann gleich mit Nein beantwortet werden.
Weder Waltershausens «Oberst Chabert» – zentral in der Reihe vergessener Stücke, die Kisten Harms an der Deutschen Oper Berlin angesetzt hat – noch Gurlitts «Nana», die (ebenfalls 2010) in Erfurt ihre erst dritte Premiere erlebte, werden jemals zum Alltag unserer Spielpläne gehören. Dennoch war es wichtig, beide Stücke auf die Bühne zu holen und durch Live-Mitschnitte zu dokumentieren.
Wen wundert’s, dass «Oberst Chabert» einmal ein Reißer war und zwischen der Uraufführung 1912 und 1933 über hundert (!) Inszenierungen erlebte? Die Oper ist relativ leicht zu besetzen (keine wirklich dramatische Stimme, kein Chor), sie handelt mit Kitsch, Pathos, Raffinesse und tiefem Ernst gleichermaßen. Und sie lebt von einem Sujet, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf offene Ohren stoßen musste: Ein Oberst der (hier: napoleonischen) Armee wird nach der ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 50
von Stephan Mösch
Die entscheidenden Sätze fallen en passant. Eigentlich geht es um Pollini, um den Eklat, den der Pianist 1995 bei den Salzburger Festspielen auslöste, als er sich in einem Konzert mit einem einzigen Werk hören ließ, dem «Klavierstück X» von Stockhausen. Davor hatte er das Feld anderen Musikern überlassen, den Zuhörern im Mozarteum Monteverdi vorgesetzt und Nono,...
Seit Peter Gelb vor fünf Jahren die Leitung der Metropolitan Opera übernommen hat, ist dort auf szenischem Gebiet eine vorsichtige Annäherung an die Standards des europäischen Musiktheaters zu konstatieren. «Vorsichtig» bedeutet: Die Inszenierungen begnügen sich nicht damit, den auftretenden Sänger-Stars einen dekorativen Rahmen zu bieten, wagen die Stücke...
Der Bodensee ist eine Badewanne. Aber nicht irgendeine. Sondern gleich die berühmteste Wanne der politischen Geschichte. Kein Geringerer als Jean-Paul Marat sitzt hier, jener erst als Publizist der Schlächter wütende, dann zur Milde neigende Volkstribun, den am 13. Juli 1793 die fromme und friedliebende normannische Jungfrau Marie Charlotte Corday d’Armont in...
