Risorgimento und Totenklage
«Schäm’ dich!» – ein Zuschauer konnte sich nicht zurückhalten, als der römische Bürgermeister Gianni Alemanno vor der «Nabucco»-Premiere auf die Bühne des Teatro dell’Opera trat, um die gravierenden Subventionskürzungen im italienischen Kulturhaushalt anzuprangern, beschlossen von jener Regierung Berlusconi, die Kultur als etwas potenziell «Linkes» und damit Kürzenswertes ansieht und deren größter Koalitions-Partei Alemanno selbst angehört.
Seit Wochen machen Kulturschaffende und Politiker auf die verheerenden langfristigen Folgen des Sparpakets «Milleproroge» («Tausend Stundungen») aufmerksam. Denn die darin enthaltene Reduzierung des Kulturfonds FUS (Fondo Unitario dello Spettacolo) betrifft alle darstellenden Künste, Kino, Musik, Forschung und Lehre. So droht den Filmstudios in Cinecittà ebenso das Aus wie Förderprogrammen zur musikalischen Früherziehung oder für die wertvollste Musikbibliothek in Neapel.
Vor diesem deprimierenden Hintergrund begannen am 12. März die offiziellen Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der Einheit Italiens: Am 17. März 1861 war Vittorio Emanuele von Savoyen zum ersten italienischen König gekrönt worden und Italien nach jahrhundertelanger ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Sabine Radermacher
Es ist eine Aura um sie. Wann immer man ihr begegnet – etwa beim alljährlichen Sängertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in Ölbronn, das sie regelmäßig besucht –, ist man gefesselt von dem Charme, von der Vitalität, die sie ausstrahlt. Kaum zu glauben: Inge Borkh, eine der legendären Gesangstragödinnen des vorigen Jahrhunderts, wird am 26. Mai 90 Jahre alt.
Früh...
Eine knappe Woche vor dem großen Tag fiel die Entscheidung. Kein Anruf bei den Agenturen, keine Fahndung nach einem prominenten Ersatz für die an Lungenentzündung erkrankte Vesselina Kasarova; stattdessen ein Gespräch mit der zum Ensemble gehörenden Mezzosopranistin Tara Erraught. Ein Risiko, gerade im nach Namen lechzenden München: Erraught, die 24-jährige Irin,...
Der Name ist Programm: Als Matthias Osterwold 2002 in Berlin die erste «MaerzMusik» auflegte, nannte er das Projekt «Festival für aktuelle Musik». Der schwammige Untertitel beschreibt präzise, worin sich Osterwolds Nachdenken über Stand und Perspektiven zeitgenössischer Klangkunst von jener «Musikbiennale» unterscheidet, die zuvor unter dem Dach der Berliner...
