Alle gegen alle
Das Händel-Fieber hat sich nach dem Ende der Ära Sir Peter Jonas gerade etwas abgekühlt, da erhitzen sich in München die Gemüter erneut – bei einer Oper seines vornehmlich in Hamburg wirkenden Zeitgenossen Reinhard Keiser.
Freilich nicht im Nationaltheater, sondern als Produktion der Bayerischen Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater: Bei der Premiere hagelte es nach einer angedeuteten Penetration auf offener Bühne Buhrufe, ein erboster Zwischenrufer störte eine Folgevorstellung, und die Leitung eines kleinstädtischen Theaters sagte ein bereits vertraglich vereinbartes Gastspiel ab. Begründung: «die freizügige bis pornografische und überaus gewaltbefrachtete Umsetzung des Stoffes, die wir guten Gewissens unserem überwiegend aus Abonnement-Kunden bestehenden Publikum nicht zumuten können und wollen».
Klaus Zehelein, bis letzten Sommer Intendant in Stuttgart und jetzt Präsident der Theaterakademie, mag sich angesichts solcher Reaktionen verwundert die Augen gerieben haben, war ihm doch selbst bei den kühnsten Erzeugnissen des Regietheater in Baden-Württembergs Kapitale derlei nicht untergekommen. Dort hatte er Tilman Knabe schon erfolgreich mit Keisers ...
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Die Vlaamse Opera hat sich das Ziel nicht nur eines modernen, sondern eines zeitgemäßen «Rings» gesetzt. Und das laut Jahresprogramm gleich in dreierlei Hinsicht. Einmal in der Regie von Ivo van Hove, dann durch das Engagement schlanker, junger Stimmen, schließlich mit einem analytisch-entschlackten Orchesterklang. Zumindest hinsichtlich der ersten beiden Punkte...
Wie viele Zeitläufte des zwanzigsten Jahrhunderts dieses Leben einschloss, kann man aus den Daten ersehen: Ernst Krenek wurde im Jahr 1900 geboren und starb 1991. Noch erstaunlicher als die schiere Dauer seines Wirkens ist, dass Krenek aus der sich ständig umwälzenden (deutschen) Geschichte hellwach Konsequenzen zog, ohne sich als avancierter, zeitkritischer...
iccolò Piccinni gehört zu den zahlreichen Opernkomponisten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die nur noch als Fußnote in der Musikgeschichte, nicht aber mit ihren Werken auf der Bühne weiterleben. Mit seiner «Buona figliuola» hat er 1760 die folgenreiche Sentimentalisierung der Buffa eingeleitet, und seine zwischen 1778 und 1787 für Paris geschriebenen...
