Wurzelbehandlung
Sie ist die vergnügungssüchtige Schwester der Grand Opéra: die féerie. Um 1810 kamen die pompösen Märchenspektakel in Mode, eine letzte Blüte erlebte das Genre zu Beginn der politisch bewegten 1870er-Jahre, als sich das französische Publikum nur zu gern in bunte Traumwelten flüchtete. Die féerie setzt vor allem auf optische Reize und die Tricks der Bühnenmaschinerie, locker gefügte Handlungen werden durch einen Wettstreit zwischen guten und bösen Geistern bestimmt, die sich mit ihren Zauberkünsten gegenseitig überbieten.
Auch Jacques Offenbachs «Le Roi Carotte» funktioniert weitgehend nach diesem Schema – obwohl er das 1872 uraufgeführte Opus «opéra-bouffe féerie» nennt und damit anzeigen will, dass er die Qualitäten seiner großen Sozialsatiren mit dem Glanz des Unterhaltungsgenres verbinden will.
Weil der Komponist zudem bei «Le Roi Carotte» mit dem damals hoch geschätzten (heute nur noch als Autor der «Tosca»-Vorlage bekannten) Schriftsteller Victorien Sardou zusammenarbeitet, sind die Erwartungen hoch gesteckt: Die Pariser Uraufführung findet Anklang, wandert als Tourneeproduktion nach London, New York und Wien – andere Theater aber scheuen den enormen Aufwand, so dass die ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Frederik Hanssen
Wayne, Sie sind ursprünglich Tastenkünstler, dirigieren aber längst mehr, als Sie spielen. Wie kam’s zu diesem Sinneswandel?
Den habe ich wohl Simon Rattle zu verdanken. Eigentlich dachte ich, ich lande als Organist an einer englischen Kathedrale. Doch 1986 nahm mich meine Schwester als Begleiter für ein Vorsingen mit nach Glyndebourne, wo Simon «Porgy and Bess»...
Mit dem Schlagwort «Jahrhundertfigur» sollte man behutsam umgehen. Trotzdem fällt es schwer, bei Pierre Boulez nicht der Assoziation zu verfallen, hat er doch seit den 40er-Jahren vielfältig die Musikkultur beeinflusst, vorangetrieben, Ideal und Wirklichkeit auch politisch in Bewegung versetzt. Doch zur Galionsfigur taugt er nicht, hat dies sogar einmal...
Ich habe einen Hang zur Faulheit. Meine neueste Lebensentscheidung kann man deshalb nur als Irrsinn bezeichnen. Ich geb jetzt nämlich auch den Regisseur. Warum denn nicht? Zwei wichtige Voraussetzungen bringe ich mindestens mit: eine ordentliche Portion Arroganz und ein schrilles Outfit für die Premiere.
Vorgestellt hatte ich mir das folgendermaßen: Inspirierende...
