Bewerbungsstück für Bamberg
Den Ruhm, der ihm als Erzähler schon zu Lebzeiten zuteil wurde, hätte Ernst Theodor Amadeus Hoffmann lieber als Komponist geerntet. Aber dieses Glück blieb ihm versagt. Heute wissen auch fortgeschrittene Musikliebhaber oft nicht, dass er Opern geschrieben hat. Seine 1816 in Berlin uraufgeführte «Undine» wurde in unserer Zeit vereinzelt gegeben, meist in konzertanter Form. Die romantische Oper «Der Trank der Unsterblichkeit», 1808 komponiert, war dagegen bis vor Kurzem noch nicht einmal dem Titel nach bekannt. Aus einem einfachen Grund: Sie wurde nie aufgeführt.
Es handelt sich um eine Bewerbungsarbeit Hoffmanns für den Posten des Musikdirektors in Bamberg, dessen Intendant damals Julius von Soden war – er hatte das Libretto verfasst. Fast zweihundert Jahre ruhte die Partitur im Archiv der Berliner Staatsbibliothek, wo sie von Peter P. Pachl aufgespürt und beim Verlag Ries & Erler herausgegeben wurde. Die von ihm selbst inszenierte Erfurter Produktion war zugleich die Uraufführung des Werks.
Das Thema der Oper, die man dem Märchengenre zuordnen muss, ist von zeitlosem Interesse. Es geht um die Unfähigkeit des Menschen, sich an der Gegenwart zu freuen, weil er die Zukunft im Blick ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Ekkehard Pluta
Der Konflikt zwischen Trieb und Vernunft ist für die Barockoper paradigmatisch, und er wird allemal zugunsten der Vernunft entschieden. Nicht anders in Händels «Orlando». Die Geschichte vom «Rasenden Roland» – nach dem Versepos des Ariost von 1532 – stellt aber insofern eine Besonderheit dar, als sie das ungeordnet Triebhafte bis ins Extrem manifesten Wahnsinns...
Zu Beginn trollt sich einer über eine hohe Treppe in den Orkus. Unvermittelt denkt man an den lokalen Heros der unterirdischen Kanalwelt, den Dritten Mann. Doch das hier ist nicht Harry Lime, und es sind auch nicht Anton Karas’ Zitherklänge, die wir hören. Sondern Streicherflirren, Hörner, ein markantes Posaunensolo und wenig später einen prächtigen Chor, der «den...
In Linz müsste man sein: Mit sarkastischem Seufzer setzte der große Helmut Qualtinger vor Jahren diese Schlusspointe zu einer himmlischen Parodie auf zwei Knattermimen aus der ehedem großdeutschen Provinz. Doch der Satz hat seine Süffisanz längst verloren. Vor allem zu dieser Zeit, denn während anderswo Theater barbarisch amputiert oder gar geschlossen werden, baut...
