Mitten im Nirgendwo
Oper aus dem Internet? Nicht lange her, dass der anspruchsvolle Fan entsetzt die Nase rümpfte. Wackelnde Bilder plus mieser Klang – das wollte sich kaum ein Homo classicus antun. Doch Online-Programme in High-Defintion-Qualität gewinnen stetig an Bedeutung. Nicht nur private Anbieter setzen aufs Netz, um Mitschnitte aktueller und historischer Aufführungen zu verbreiten. Auch öffentlich-rechtliche Sender haben das Streaming für sich entdeckt.
Doch wie wirkt sich der digitale Musiktheater-Service eigentlich aus? Taugt er den Häusern als Lockmittel für neues Publikum, oder ist er bloß Ersatzstoff, der die Lust aufs Live-Erlebnis lähmt? Und: Wo steht das Streaming zwischen kulturellem Auftrag und Rentabilität?
Was hätte Richard Wagner wohl davon gehalten? Hätte er seine Bedeutung gebührend unterstrichen gesehen? Oder wäre er in Cosimas Tagebüchern darüber hergezogen, dass dies die Exklusivität seines nur fürs Bayreuther Festspielhaus gedachten «Parsifal» noch weiter schmälere? Wie auch immer: Am 25. Juli dieses Jahres konnte man die Eröffnung der Bayreuther Festspiele nicht nur erstmals live im Kino verfolgen. Auch am heimischen Computer konnte sich jeder selbst ein Bild davon ...
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Opernwelt Jahrbuch 2016
Rubrik: Oper online, Seite 98
von Michael Stallknecht
Im Jahr 2013, da war die Komische Oper Berlin für ihre erste Saison unter seiner Leitung gerade zum «Haus des Jahres» gewählt worden, sagte Barrie Kosky im Interview mit dieser Zeitschrift, auf der Bühne müsse «nicht immer alles bunt oder schrill sein», es stimme keineswegs, dass «überall Pailletten funkeln» und «Lederkerle herumlaufen» müssten: Die deutsche...
Ein König, der von einem Wurzelgemüse entthront wird. Ein Sexualverbrechen inmitten von Marien-Mystik. Heiner Müller in den Ruinen Europas. Schrille Stoffe, an die sich schon lange niemand mehr traute. Aber nun hat die Opéra de Lyon Offenbachs «Le Roi Carotte» (1872) heiter eingedampft, das Theater Freiburg Wolf-Ferraris Neapel-Thriller «Der Schmuck der Madonna»...
Konzerthaus Dortmund. Teodor Currentzis probt Purcells «Indian Queen». Im September tourt er damit durch Europa. 20 Minuten lang arbeitet er mit dem Countertenor Ray Chenez an einer einzigen Phrase. Singt vor, erklärt Bögen und Betonungen, dünnt das Continuo aus, wiederholt. Für solch zeitraubende Detailarbeit ist der Probenfanatiker berühmt und berüchtigt. Das...
