Alles Puccini?
Das Wort von der «Globalisierung» ist irreführend, selbst dort, wo es darum geht, die Realität der Oper im Jahre 2011 zu beschreiben. Denn beim weltweiten Siegeszug dieser originär europäischen Gattung ist gerade nicht ein Ineinandergreifen oder gar eine Verschmelzung unterschiedlicher kultureller Traditionen zu beobachten, sondern der Export einer spezifisch europäischen Form kultureller Repräsentation.
Dennoch möchte ich im Folgenden von dem sprechen, was man gemeinhin Globalisierung nennt, präziser aber als internationale ökonomische Standardisierung bezeichnen sollte: Denn unbestreitbar ist es der Rede wert, dass heute nicht nur Tenöre für italienisch gesungene Opern in Korea rekrutiert werden, dass nationale Sonderformen der Operngeschichte wie die sogenannte «Spieloper» eines Lortzing oder die opéra-comique eines Auber oder Adam vom Mainstream des italienischen Repertoires verdrängt worden sind, dass ein Opernbesucher in den meisten Fällen weder aus dem Besetzungszettel noch aus der Gesangstechnik noch aus dem Orchesterklang und schon gar nicht aus der gesungenen Sprache Rückschlüsse darauf ziehen kann, in welchem Land oder auf welchem Kontinent er sich gerade befindet.
Nun ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Thema, Seite 30
von Anselm Gerhard
Am Anfang der Operngeschichte stand die Idee eines Schauspiels, in dem die Worte nicht gesprochen, sondern gesungen werden.1 Die Formeln, mit denen die ersten Opernkomponisten das aus dem Sprechen abgeleitete Singen charakterisierten, heben die Vermittlung zwischen beiden Formen menschlicher Mitteilung hervor: Jacopo Peri etwa teilt mit, dass er in seiner...
Das letzte Opern-Tabu hat einen Namen: David Marton. An der Treue zum Notentext nämlich, an der Form der Werke, hat selbst die vom sogenannten Regietheater revolutionierte Oper bislang nicht gerüttelt. Marton schon.
Selbst bei der Länge der Werke tendiert die Gegenwart, die zugleich szenisch immer stärker dekonstruiert, zu gesteigerter Nibelungentreue zum Original....
«Meine Erfahrung mit ‹Fidelio› ist eine ganz einfache: Ich bin als Zuschauer immer eingeschlafen, wenn ich diese Oper gesehen habe. Deshalb habe ich mich gefragt: Schaffst du eine Inszenierung, bei der das Publikum nicht einschläft? […]. Es ist eine wunderbare Oper, aber sehr statisch. Bewegung zu schaffen war die Herausforderung.» So formulierte Manfred...
