«Ich musste wieder bei null anfangen»

Ein Bühnenunfall hätte sie 2011 fast aus der Bahn geworfen. Inzwischen singt Elisabeth Kulman wieder das ganze Spektrum ihres weitgespannten Repertoires – von Belcanto bis Wagner, Mahler und Strauss. Und lässt sich auf neue Abenteuer ein: Nikolaus Harnoncourt will die Österreicherin mit der ­rubinroten, zwischen Mezzo und Alt leuchtenden Stimme als Despina haben. Das wegen der Verletzung ausgefallene Brangäne-Debüt will sie an der Wiener Staatsoper nachholen. Ein Gespräch über Leiden und Leidenschaften, schwankende Stimmungen und fixe Ideen – und die Kunst, auf die Signale des Körpers zu hören

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Frau Kulman, wir haben uns im vergangenen Sommer große Sorgen um Sie gemacht. Sie hatten während der Proben zu «Tristan und Isolde» in der Bochumer Jahrhunderthalle einen Unfall. Die Stimme war weg – und damit auch Ihr Debüt als Brangäne bei der Ruhrtriennale. Was genau ist damals passiert?
Ich erhielt einen Schlag auf den Kehlkopf. Jemand sollte mich mit einem beherzten Griff beiseiteschieben. Irgendwie stand ich ungünstig, ein Ellbogen knallte mit voller Wucht gegen meinen Hals. Es war ein Missgeschick.

Willy Decker hatte gerade angefangen, mit uns in der Jahrhunderthalle zu arbeiten. Erster Probentag, erste Szene – da war für mich schon alles vorbei. Es dauerte Monate, bis ich mich von diesem Schock erholt hatte. Das Ganze hätte böse enden können.

Was ging Ihnen in den Minuten nach dem Zusammenstoß durch den Kopf?
Ich spürte sofort, dass kein Ton mehr rauskam. Und sofort stellte sich die Frage: War’s das jetzt? Was soll ich machen, wenn die Stimme kaputt ist? Gibt es für mich eine Alternative? Aber mir fiel nichts ein. Jedenfalls nichts, wofür ich so viel Herzblut mitbringen würde wie für das Singen. Dann redete ich mir ein, irgendetwas werde sich schon ergeben: So schnell lässt du ...

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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Interview I, Seite 48
von Albrecht Thiemann

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