Die erste erhaltene deutsche Oper?

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Historische «Anfänge» sind immer heikel.

Nachdem Wolfram Steude 1991 einen Brief Heinrich Schütz’ vorweisen konnte, der zweifelsfrei belegt, dass dessen von Friedrich dem Großen vorsätzlich vernichtete «Dafne» (1627), «die ers­te deutsche Oper», überhaupt keine Oper war und weil Sigmund Stadens «Seelewig» (1644), die «erste erhaltene deutsche Oper» (siehe OW 4/2004), als Ersatz nie wirklich überzeugte, da sie nicht im «stylo recitativo» geschrieben ist, sondern bloß in sich geschlossene Lieder aneinander reiht, also von der Oper Peri’schen und Monteverdi’schen Typs so weit entfernt ist wie die Madrigal-Komödie der Spätrenaissance, ist die Frage der frühdeutschen Oper wieder offen. In diese Bresche springt der am Leipziger Bach-Archiv und in Michaelstein forschende junge Musikwissenschaftler Michael Maul. Maul, dessen Name jüngst im Zusammenhang mit der Veröffentlichung einer unbekannten, noch vor dem Brand aus den Beständen der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek entnommenen Bach-Arie durch die Tagespresse ging, spürte in Vilnius ein weltliches Stück in deutscher Sprache auf, das nun wirklich nach Art Cavallis aus rezitativischen Dialogen, Ariosi und Arien besteht. Die «erste erhaltene deutsche Oper»? Bis auf weiteres: vielleicht – ja. ...

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Opernwelt November 2005
Rubrik: Magazin, Seite 24
von Boris Kehrmann

Vergriffen
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