Publikumsbeschimpfung
Was tun, wenn jedes Instrument und jede vorstellbare Spieltechnik (oder Gesangstechnik oder Vortragsweise) erprobt, in die musikalische Praxis integriert und in mediale Kreisläufe eingespeist wird? Wenn also jeder Klang zugleich sedimentierte Musikgeschichte ist? Wenn das Publikum in so ziemlich allem, was es zu hören bekommt, nicht zunächst das Neue wahrnimmt, sondern das Alte wiedererkennt? Das Problem ist nicht ganz neu, spätestens seit dem Ende des seriellen Paradigmas arbeiten sich Komponisten daran ab.
Niemand aber hat daraus radikalere Konsequenzen gezogen als der Komponist Johannes Kreidler: «Wer für Geige schreibt, schreibt ab.»
Mit dieser griffigen Formulierung umreißt er die Ausgangslage. Das Vorhandene weiterzuentwickeln, auch im Widerspruch zu etablierten Konventionen, wie das für Komponisten früherer Jahrhunderte noch möglich war, ist für ihn keine Option: Im Zeitalter medialer Allverfügbarkeit von Musiken jedweder Herkunft und Stilistik besteht seine Methode darin, mit Samples aus diesem unübersehbaren Angebot zu arbeiten und sie neu zu kontextualisieren. Dazu gehören, als akustisches Signum einer Zeit, in der Musik oft nur als Hintergrundgeräusch wahrgenommen wird, ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Ingo Dorfmüller
Es gibt viele Zahlen, die sich mit der Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth verbinden. Natürlich sind da zunächst die knapp 30 Millionen Euro, die der Freistaat Bayern für die Restaurierung zur Verfügung gestellt hat. Markus Söder, der in seiner Funktion als Finanz- und Heimatminister mit dem Projekt vielfach beschäftigt war, fasste es bei...
JUBILARE
Gwynne Howell stammt aus Wales. Seine Gesangsausbildung absolvierte er am Royal Northern College of Music. Nach seinem Debüt 1968 an der Sadler’s Wells Opera wechselte er 1970 ans Londoner Royal Opera House, wo er nahezu alle großen Basspartien sang und vor allem als Verdi- und Wagnerinterpret gefeiert wurde. Howell war regelmäßiger Gast an der English...
Nicola Raab hat im Dezember 2017 gezeigt, dass man Zandonais «Francesca da Rimini» nicht im Plüsch ertränken muss. Der «decadentismo» dieser blutigen Tragödie aus dem Jahre 1914 fokussiert auf Gewalt, wie sie so oft den Umgang zwischen den Geschlechtern konditioniert. In Straßburg hatte sich Raab die Perspektive der Titelheldin zu eigen gemacht. An der Mailänder...
