Astralnebel
Über die Station South Kensington auf der Piccadilly Line, ein paar Halts von Covent Garden entfernt, erreicht man das Victoria&Albert-Museum. Ein Besuch der dort gegenwärtig präsentierten Ausstellung «Modernism – Designing a New World» lohnt sich. Auch im Zusammenhang mit der neuen «Götterdämmerung» an Covent Garden – nicht nur, weil man in Siegfrieds Rheinfahrt als architektonischer Computeranimation wie auch postmodernen Behausung der Geschwister Gibich noch Spuren des ursprünglich als Bühnenbildner vorgesehenen Architekten Daniel Libeskind zu erkennen vermeint.
Denn die Ausstellung dokumentiert die Bemühungen von Künstlern, Gesellschaften zu verwandeln, menschliche Lebensbedingungen zu verbessern. Wobei immerhin ein Teil der Visionen, wenn auch kommerziell und politisch oft vergewaltigt, sich ins Heute hinüber zu retten vermochte. Und die Utopien, die Wagner mit dem «Ring» avisierte? Von der in Musik gesetzten Hoffnung des Komponisten auf eine liebevollere Welt ist ja nichts geblieben.
Schon er selbst ließ – nach Versuchen eines Feuerbach’schen sowie eines Schopenhauer’schen Schlusses – das Ende merkwürdig offen: Wallhall und die Götter verbrennen, beobachtet von «Männern und ...
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Wer Mozart lieblich, gefällig, verspielt, anmutig, gar hübsch fände, den sollte der Lortzing holen, schrieb der legendäre Wiener Publizist Hans Weigel bereits vor vierzig Jahren. Zwar tat er damit dem Komponisten der «Regina» Unrecht, doch dürfte dieser Satz bei Nikolaus Harnoncourt schon damals ein grimmiges Lächeln hervorgerufen haben. Denn der Dirigent wehrte...
Ein starkes Stück. Auch wenn man es mit traditionellen Mitteln auf die Bühne bringt. Wie jetzt in Lübeck, wo Regisseur Marc Adam dem Werk keinerlei Gewalt antat, sondern – konzentriert auf die Darsteller und ihre Körpersprache – Bergs «Wozzeck» als Tragödie der Beziehungslosigkeit unter den Menschen entwickelte. Der fast requisitenfreie, leere Raum als Ort, wo die...
Der Beginn gehört Brünnhilde allein. Leise, auf Zehenspitzen stiehlt sie sich im Dunkel der Nacht zwischen den vier turmhohen, fast schon leer geräumten Regalen einer in Auflösung begriffenen Bibliothek hindurch und beginnt zu lesen, noch bevor im Orchestergraben die Tiefen des Rheins überhaupt zu sprudeln beginnen und der urzeitliche Mahlstrom die ersten...
