Der Kuss der Sphinx

Ildebrando Pizzettis «Fedra» in Erfurt

Opernwelt - Logo

Ildebrando Pizzetti gehört zusammen mit Alfredo Casella, Gian Francesco Malipiero und Ottorino Respighi zu jenen um 1880 geborenen italienischen Kom­ponis­ten, die die Vorherrschaft der veris­tischen Oper brechen und sich verstärkt wieder an der Tradition der Ins­trumentalmusik orientieren wollten. Heutzutage ist ihr Schaffen, mit Ausnahme von Respighis populärer «Römischer Trilogie», vergessen und wird selbst in Italien nur noch selten aufgeführt.

Pizzetti, dessen Werk zwischen Katholizismus und Faschismus, Décadence und Stilkunst oszilliert, war gewiss die schillerndste Figur unter den Vieren, allein schon aufgrund seiner künstlerischen Zusammenarbeit mit dem nietzscheanischen Übermenschen Gabriele D’Annunzio, der glei­cher­ma­ßen als Dichter, Politiker wie Frauenheld Furore machte.
Pizzettis 1915 uraufgeführte Oper «Fedra», die jetzt in Erfurt ihre verspätete deutsche Premiere erlebte, geht auf ein Schauspiel D’Annunzios zurück. Dieser hat aus Phädra, die verzweifelt ihren Stiefsohn Hippolytos liebt, eine machtwillige Hysterikerin gemacht – ein aus­uferndes Drama, das den antiken Stoff als schwülstiges Bildungstheater präsentiert, in dessen ästhetischer Verherrlichung von Gewalt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2008
Rubrik: Magazin, Seite 29
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Lyrischer Zauber, dramatische Prägnanz

Die Erstveröffentlichung des Bayreuther «Ring» von 1955 unter Joseph Keilberth haben wir an dieser Stelle als kleine Sensation ausführlich gewürdigt (siehe OW 4/2007). Nun legt das britische Label Testament mit einem weiteren historischen «Ring» nach, der bisher nur als klanglich fragwürdige Piratenaufnahme existierte. Es handelt sich um den Londoner Zyklus von...

Der Kaiser ist (fast) nackt

Glyndebourne war einmal ein Ort, an dem (auf Einladung von Günther Ebert und Peter Hall) bedeutende Monteverdi-Pioniere arbeiteten. Doch das ist lange her, abgesehen von einer «Poppea» zum fünfzigjährigen Jubiläum des Festivals 1984. Wenn nun die neue «Poppea»-Produktion dort eines bestätigt, so die Erkenntnis, dass das Stück dramaturgisch größere Probleme aufwirft...

Liebespaare

Der wahrscheinlich kühnste unter den zahlreichen Versuchen, das «Zaïde»-Fragment zu komplettieren: Die ­israelische Komponistin Chaya Czernowin hat sich vor zwei Jahren im Auftrag der Salzburger Festspiele daran gewagt, Mozarts Musik mit ihren eigenen Klängen zu konfrontieren. Ein interessantes Unternehmen, das in der Kontrastierung durchaus erhellend für beide...