In ganz verschiedene Richtungen
Wie lang eine Minute sein kann! Jedes der Ensemblemitglieder schaut uns sechzig
Sekunden lang wortlos an. Darsteller alle, aber ohne Rolle. Manche brechen in Lächeln aus, andere halten das Lächeln mühsam zurück. Einige genießen diesen Auftritt vor der Kamera, anderen scheint er ungewohnt, sogar peinlich. Zu erleben sind die Living Portraits in der «Cinebox» des Foyers. Eine Etage höher gibt es noch andere interaktive Einladungen. Ein «Musiktheaterfries» zum Beispiel, dessen vierzehn Sternbilder von «Orpheus» bis zu «Hans Werner Henze» und «Musical» reichen.
Wenn man vor dem Wandteppich steht, öffnen sich die Sterne des jeweiligen Bildes zu Wort und Ton: Die Mischung aus Medieninstallation und Webkunst (ganz handwerklich gemeint: mit langgesprochenem e) entpuppt sich als Versuch neuer Musikvermittlung. Ein paar Schritte weiter steht ein «Spieltisch». Wer die Karten dort richtig platziert, bekommt ebenfalls Infos. Etwa zum Thema Gesamtkunstwerk (Schlingensief eingeschlossen) oder zum Thema Regie (Neuenfels eingeschlossen).
Noch sind es wenige Besucher, die sich in den Pausen mit solchen Dingen beschäftigen. Schließlich ist das neue «Musiktheater am Volksgarten» in Linz schon für sich ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Stephan Mösch
Das ist wahrhaftig ein Coup. Pünktlich zu seinem 120. Geburtstag gräbt ein kleines, feines Theater im Erzgebirge eine Oper aus, die gleich auf mehreren Ebenen eine Entdeckung ist. Den Komponisten kennt kaum jemand, er heißt Peter Gast, wurde 1854 in Annaberg geboren und starb dort 1918. Eigentlich heißt er Heinrich Köselitz, das Pseudonym verlieh ihm Friedrich...
Die Ära der romantischen Belcanto-Oper hat Konjunktur. Immer neue abgelegene Werke kommen ans Licht, die Lücken füllen, das bereits bekannte Repertoire aber nicht zwingend aufwerten – das gilt jedenfalls für drei aktuelle Veröffentlichungen von Live-Aufnahmen der jüngsten Zeit.
Gioacchino Rossini konnte mit seiner für Rom komponierten Opera seria «Adelaide di...
Da scheint einer Fuß zu fassen. Eine ästhetisch sehr bewusste Art, Oper zu machen, scheint in Zürich angekommen zu sein. Die Zustimmung, zumindest in den Premieren von Andreas Homokis Team, ist bemerkenswert. Das bedeutet auch: Ein stets als etwas genusssüchtig eingestuftes Publikum bewährt sich vor den Ansprüchen, die die neue Intendanz stellt. Mag sein, dass das...
