Geschichtsbewusst ironisch
Nicht um Politik und Historie geht es in Verdis erster Auftragsarbeit für die Pariser Oper (1855), denn im Libretto von Eugène Scribe und Charles Duveyrier ist der Aufstand der Sizilianer gegen die französischen Besatzer (1282) eine austauschbare Folie für eine private Geschichte, die Jahre vorher in anderem Ambiente unter dem Titel «Le Duc d’Albe» schon von Donizetti vertont worden, aber Fragment geblieben war. Stefan Herheims Londoner Inszenierung zum Verdi-Jahr (siehe auch OW12/2013) macht das Operntheater selbst, konkret die Gattung der Grand Opéra, zum Thema.
Die Handlung spielt nun in der Entstehungszeit des Werkes, als Teile Italiens sich noch unter französischer Herrschaft befanden und die Große Oper in voller Blüte stand. Während der Ouvertüre wird die Vorgeschichte erzählt. Schon die ersten Takte führen uns in einen Ballettsaal, der an Gemälde von Edgar Degas erinnert. Französische Soldaten, angeführt von Montfort, stürmen den Raum, vergewaltigen die Mädchen und schlagen den Ballettmeister Procida zum Krüppel. In der nachfolgenden Pantomime bringt Montforts Opfer einen Sohn zur Welt, dem in den nächsten fünf Akten eine wichtige Rolle zukommen wird.
In der prunkvollen und ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Ekkehard Pluta
«Darf ich das signieren?» Was für eine Frage. Aber natürlich. Wir bitten sogar darum. Wer weiß, wann wir Margarita Marinova noch mal treffen. In ihrem «Archiv», einem winzigen, über und über mit Aufführungsplakaten dekorierten Raum im zweiten Stockwerk des Plattenbaus gleich hinter der Oper. Einem unwirtlichen Kasten mit blinden Fenstern, verzogenen Türen und...
Nichts gegen Kontinuität! Als Cathérine Miville vor 13 Jahren von dem nach Erfurt wechselnden Guy Montavon die Gießener Intendantenstaffel übernahm, wurde das kleine Haus in Mittelhessen kaum einmal überregional wahrgenommen. Das hat sich allmählich, aber auffällig und in der Summe heftig geändert. Nun gibt es, vor allem in der Oper, eine Fülle von Produktionen,...
Ja, so kann es wohl klingen, das «Unbehagen über den Zustand unserer Welt». Pascal Dusapin spricht davon im Zusammenhang mit seiner neuen Oper «Penthesilea», in der er quasi zu sich selbst gekommen sei, wie er der Journalistenrunde mit leisem Lachen sagt: Auch die früheren Opern seien Versuche gewesen, eine «Penthesilea» zu schreiben, aber erst jetzt sei...
