Steh still, Zeit!
Das Hören verändern, erweitern, in neuen und alten Kontexten überraschen – und damit auch im Denken, Fühlen, Sein die Möglichkeit einer anderen Wahrnehmung und eines anderen Lebens aufzeigen – diesem Grundgedanken der Neuen Musik hat sich das Ultraschall Festival 2015 zu Ehren Helmut Lachenmanns verpflichtet, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert.
Der heute fast schon klassische Anspruch an «Musik als existentielle Erfahrung» zog sich als roter Faden durch den fünftägigen Aufführungsmarathon, der am letzten Abend eines dem Komponisten auch inhaltlich gewidmeten Tags mit dessen Orchesterstück «Schwankungen am Rand» fulminant ins Ziel lief.
Eine der Wegmarken: «Sommertag» von Nikolaus Brass nach einem Theatertext von Jon Fosse, uraufgeführt 2014 auf der Münchener Biennale für neues Musiktheater. Eine Frau erinnert sich, wie vor Jahren ihr Mann auf den Fjord hinausfuhr und nicht wiederkehrte, denkt an ihr eigenes, beklommenes Warten – noch immer. Die Figur zerfällt in eine sich «Jetzt» erinnernde und eine «Damals» erlebende, Mezzosopran und Sopran. Wie eine Heimsuchung entfaltet sich beiden die lang und länger werdende Zeit. Brass formt diese Empfindung aus, macht sie ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Katharina Duda
Zwei Stämme menschenfressender Indianer als Gleichnis für die Mächtigen seiner Zeit: Johann Nestroy ging nicht gerade subtil zu Werke, als er 1862 den «Häuptling Abendwind» auf die Wiener Bühnenbretter brachte, eine «indianische Faschingsburleske» mit Musik von Jacques Offenbach. Dass aus dem kleinen Singspiel gut 150 Jahre später eine Punkoperette werden würde,...
Es ist eine alte Geschichte, doch für die Betroffenen bleibt sie stets neu: Ein Mann verlässt seine Frau und nimmt sich eine Jüngere. Aber die Frau rächt sich. Erst will sie die Kinder töten, dann mit dem Mann und dessen neuer Geliebter abrechnen. Schließlich bringt sie sich um. Vincenzo Bellini und sein Librettist Felice Romani haben aus dieser Boulevard-Tragödie...
Als Michel Franck Intendant des Théâtre des Champs-Elysées wurde, schob er einen Mozart-Zyklus an, mit Jérémie Rhorer als Dirigent und spiritus rector. Jetzt war – nach «Idomeneo», «Così fan tutte» und «Don Giovanni» – «La clemenza di Tito» an der Reihe. Auch diesmal war der Erfolg der Aufführung Rhorer zuzuschreiben: Mit seinem auf historischen Instrumenten...
