Blindes Schicksal

Weber: Der Freischütz Kopenhagen / Operaen

Opernwelt - Logo

Deutscher Wald. Finstere Schlucht. Darin ein Jägersmann, der seine Braut bei einem Wettschießen gewinnen muss und sich mangels Treffsicherheit auf einen Deal mit dem Teufel Samiel einlässt, um einen Freischuss zu ergattern. Sünde, Sühne, Todesangst. Ein heilig-frommer Eremit, der das Böse bannt und die jungfräuliche Verlobte rettet. Dazu lange Sprechpassagen in schönster Singspieltradition. Webers «Freischütz» ist schon harter Tobak für ein Publikum, dem die deutsche Romantik fremd ist.

Nicht von ungefähr steht das Stück außerhalb der deutschsprachigen Länder selten auf dem Spielplan. Ist es jenseits von Rhein und Oder überhaupt noch vermittelbar?

Aber ja, meint Kasper Holten – und bekräftigt das mit einer packenden Neuinszenierung des «Freischütz» am Königlichen Opernhaus in Kopenhagen. Natürlich hatte auch Holten so seine Zweifel, ob man die von Johann Friedrich Kind getextete Story einem dänischen oder – in der kommenden Saison an Holtens Stammhaus Covent Garden – einem englischen Publikum zumuten kann. Also legte er Hand an.

Zum einen hat er die gesprochenen Dialoge auf ein handlungsrelevantes Minimum zusammengestrichen. Das Ganze dauert jetzt gerade mal zwei Stunden. Zum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Andreas Bücker

Weitere Beiträge
Kult klingt anders

«Kult» war das Thema der 40. Tage Alter Musik in Herne im November, zum Abschluss gab es einen italo-eng­lischen Opernhit: Giovanni Bononcinis 1696 für Neapel geschriebene Oper ­«Il trionfo di Camilla regina de Volsci». Nicola Haym bearbeitete sie 1706 für London und brachte sie dort – als erste italienische Oper überhaupt in England – zur Aufführung, Kräftig...

Grenzgefilde

Fahler Glanz flackert im Raum. Schneegrau schimmern Wand und Boden, salzmatt die Kleider. Der Stuhl, das Boot, das Bett. Mitten im Leeren steht eine Tür: Regisseur Graham Vick und sein Bühnenbildner Richard Hudson bezeichnen damit den Übergang zwischen zwei unscharf abgegrenzten, doch existenziell verschiedenen Zuständen: Leben und Tod. Denn um diesen Übergang geht...

Unheimlich, rauschfrei, brandaktuell

Als Richard Strauss’ Vertonung von Oscar Wildes Drama «Salome» 1905 uraufgeführt wurde, waren die Zeitgenossen schockiert. Marie Wittich, die erste Interpretin der Titelrolle, hat es zunächst abgelehnt, die Partie zu übernehmen, weil sie eine «anständige Frau» sei. Noch nie war Sexualität, waren die Männerfantasien des Weiblichen so unverhüllt auf der Opernbühne...